HAIKU UND LICHT von 20.–22. Oktober 2020

HAIKU UND LICHT im PFERD– Forum für zeitgenössische Kunst
Medwedweg 3, 1110 Wien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

KUNST – Fotografie – Diaprojektion
Milica Balubdžić – Pille-Riin Jaik – Rosa John – Hyeji Nam

LITERATUR – Musik
Franz Dodel
Bernadette Haller – Martin Kubaczek & Elisabeth Eppensteiner

MUSIK – Rezitation
Yamato Moritake & Beatrice Simonsen 

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PROGRAMM

Dienstag, 20. Oktober  19 Uhr
Eröffnung der Dia-Installation
Gespräch mit dem Autor sowie
Lesung von Franz Dodel aus “Nicht bei Trost. A never ending Haiku”

“gut möglich dass auch ich zu / gewissen Zeiten / ein wenig leichter werde / sicher bin ich nicht / verlässlicher dünkt mich sei /ab und an einen / Baum zu umarmen an ihm / sich festzuhalten / wenn ein Wachstumsschub ihn drängt /aufwärts zu streben”
(aus: Franz Dodel Nicht bei Trost. Sondagen, Zeilen 42544 – 42553)

Franz Dodels einzigartiges Endlos-Poem »Nicht bei Trost« ist inzwischen auf mehr als 40 000 Verse angewachsen. Seit 2002 arbeitet der Autor täglich an einem sich wie von selbst fortspinnenden Textgewebe, das sich nicht an Ende, Ziel und suspekten Trostangeboten orientiert, sondern an der Offenheit schweifender Reflexion und sinnlich genauer Betrachtung. Durch den ruhigen rhythmischen Wortstrom fügen sich die Fülle von Dodels Bildern und Zitaten, biografische Erinnerungsbruchstücke und Naturbetrachtung zu einer leicht­füßigen Meditation über Gott, die Welt und das Ich. Sechs Bände sind in der Edition Korrespondenzen erschienen.

Mittwoch, 21. Oktober  19 Uhr
Dia-Installation
Lesung mit Musik “ein fetzchen mond”
Liesl Eppensteiner & Bernadette Haller & Martin Kubaczek

“ein fetzchen von mond / vom kleid der nacht geblieben / der tränenärmel
im alten jahr verweht / bei sonnenaufgang im schnee / die kleine feder” (aus: Bernadette Haller Hinter der Brille)

Am Anfang war die Trennung: der Logos als Fähigkeit der Unterteilung in Eigenschaft, Charakter, Differenz, die Suche nach den Qualitäten in ihrem schlichten wie umfassenden Ursprung, hell und dunkel, flüchtig und fest, gebunden und gelöst.
In elf Einheiten, Konzeptstücken, folgen wir dem Jahres-Zyklus der Haikus, einzeln und in Gruppen, in Versuchen der Entsprechung: Der Gong öffnet den Raum, die Sprache setzt den Impuls, die Bilder gleiten im Hintergrund, die Geige reagiert, nach dem Tanz-Impuls von pose und repose, Bach-Solosonaten werden angespielt und verklingen, knistern und schwingen, evozieren und umspielen ein Kinderlied, ein Stimm-Trio aus Flüstern und Magie, trockene Bartok-Pizzicati, ein Lacrimoso von Mozart, eine Serenade von Boccherini – und das alles folgt dem Organon der Sprache, dem Atmosphärischen und dem Imago, der weichen Semantik, klang- und geräuschhaft, mal rhythmisch, mal asynchron, aus sich heraus, klärt, probiert, kommuniziert. (M.K.) Liesl Eppensteiner Flöte und Gong, Bernadette Haller Haiku, Martin Kubaczek Geige und Spielzeug

Donnerstag, 22. Oktober 19 Uhr
Dia-Installation
Yamato Moritake am Kontrabass
mit Musik aus Japan, von Johann Sebastian Bach und Annachiara Gedda
Klassische und moderne Haiku gelesen von Yamato Moritake & Beatrice Simonsen

“Am Grund des Wassers / Legt auf die Felsen sich still / Das Laub der Bäume.” (Jôsô)
“Von der Regenzeit
 / Blieb doch unangetastet
 / Die Halle des Lichts.” (Martin Kubaczek)

Yamato Moritake, der als Kontrabassist im Radio Symphonie Orchester Wien tätig ist, gibt Musik aus Japan und Europa zum Besten und rezitiert ausgewählte Haiku des bedeutenden Dichters Matsuo Bashô. Diese Auswahl verknüpft er mit der Biographie von Johann Sebastian Bach, von dem er zwei Sätze aus der Cello-Suite Nr. 1 spielen wird. Eingerahmt werden die beiden Meister ihres Fachs von japanischen Volksliedern zu Beginn und einem zeitgenössischen Stück der italienischen Komponistin Annachiara Gedda zum Abschluss – sie bilden die Pole Tradition und Moderne, Japan und Europa.

Bei der deutschen Lesung handelt es sich nicht um Übersetzungen der auf Japanisch gelesenen Haiku, sondern um Beispiele aus mehreren Jahrhunderten bis heute. Sie zeigen die beständige Fortdauer der Gedichtform Haiku, nun im lebendigen Austausch zwischen Sprache, Musik und Bild.

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WIR BITTEN UM ANMELDUNG ZUM BESUCH DER VERANSTALTUNG UNTER DER FOLGENDEN EMAIL-ADRESSE: respiratoiremaeandra@gmail.com

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zu Beginn jeden Abends erläutert Johan Nane Simonsen das Projekt. Thema der Veranstaltung ist die Gedichtform Haiku und die mediale Verbindung von Poesie und Fotografie. Dazu entwickelten vier in Wien lebende Künstlerinnen Fotoserien für Diaprojektoren, die sich an der Struktur des Haiku orientieren. Die an die Wände des abgedunkelten Ausstellungsraums projizierten Foto-Haiku verbinden sich zusammen mit Musik und Lesungen zu einer flüchtigen, installativen Situation, sichtbar nur im Rahmen der drei Veranstaltungsabende.

Idee, Konzept, Organisation: Johan Nane Simonsen (Kunst) & Beatrice Simonsen (Literatur)

Mit freundlicher Unterstützung von:
Bundesministerium für Kunst, Kultur, Öffentlichen Dienst und Sport
Kulturamt der Stadt Wien
Österreichisch-Japanische Gesellschaft
Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung

Informationen zu den Teilnehmer_innen finden Sie unter den folgenden Links:

Milica Balubdžić

Pille-Riin Jaik  

Rosa John 

Hyeji Nam

Franz Dodel

Yamato Moritake wurde in Fukuoka, Japan geboren. Seit November 2018 er ist Mitglied des Radio Symphonie Orchesters Wien und Lehrer bei der Landesmusikschule Grein.
Nach den Studien an der Universität für Musik und darstellende Kunst Tokio und Hochschule für Musik und Theater München schloss er ein Masterstudium an der Anton Bruckner Privatuniversität Linz mit Auszeichnung ab.
Er war Stipendiat von Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Yamaha-Foundation und Yu-International Foundation. Er erhielt den ersten Preis sowie Fuka-Sonderpreis beim Simandl International Wettbewerb 2014. Als Solist trat er mit dem Johann Strauss Ensemble Linz auf.
Während er von 2012 bis 2018 im Brucknerorchester Linz tätig war, bei dem er 2018 eine Anstellung als Stimmführer bekam, organisierte er regelmäßig Benefizkonzerte mit Caritas für Menschen in Not.
Seine Lehrer waren Osamu Yamamoto, Yoshio Nagashima, Naoto Nishida, Heinrich Braun und Anton Schachenhofer. Für weitere Anregungen bedankt er sich bei Herbert Mayr, Günter Klaus und Philipp Stubenrauch.
Als Mitwirkender der Staatsoper Wien, der Staatskapelle Dresden, von: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Münchener Kammerorchester, Niederösterreichisches Tonkünstlerorchester, Tokio Philharmonic, New Japan Philharmonic, Yomiuri Symphonieorchester, Tokio Stadt Symphonieorchester, Sapporo Symphonieorchester und Japan Kammerorchester spielte er in Österreich, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, USA, Russland, Japan, Südkorea, China, Bulgarien, Rumänien, in der Schweiz und der Türkei.
Neben seiner Beschäftigung als Kontrabassist trat er als E-Bass Solist im Goldenen Saal des Musikvereins Wien unter der Leitung von Dennis Russell Davies mit dem Bruckner Orchester Linz auf.

Foto oben © Milica Balubdžić – Foto Mitte © Pille Riin Jaik – Foto unten © Rosa John

 

SEEFRAUENGARN

 

Wir zwei –

Im Zwiegespräch mit dir
Hundert Jahre trennen uns
Die Leidenschaft führt uns zusammen
Kaum ist die Zeit vergangen
Seit dir und seit mir
Zeitlos wir zwei
Im Zwiegespräch

 

Im Museum am 9. August 2019. Text Beatrice Simonsen (BS) & Foto © Dirk Simonsen

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Einer Einladung von Brigitta Höpler und Karin Seidner-Macke zum Kunstprojekt SEEGARN in SEEBARN im Sommer 2020 folgend entstand meine Idee SEEFRAUENGARN zu spinnen. Das Projekt konnte aufgrund der Covid 19 Pandemie vor Ort nicht stattfinden. Virtuell können Sie dem Wachsen des Netzes folgen: Feine Fäden hin und her.

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Flussfrau

Mit allen Wassern gewaschen
steht sie hüfttief im Schreibfluss
verbindet sich mit den Wesen, den Dingen, den Erscheinungen
hat kein Dach über dem Kopf und den Gedanken
verankert sich mit Zeilen
wohnt in Worten.

 

Flussfrau in Třeboň, Tschechien, am 7. August 2020. Text & Foto © Brigitta Höpler (BH)

 

 

 

 

 

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Sie versprachen ihr das Blaue vom Himmel
Sie erfand sich das Meeresblau
verschuf sich immerwährenden Meeresblick
lauschte dem unentwegten Rauschen
Und legte ab
Liess sich von den Wellen tragen
Weiss auf Blau
wollte Oberwasser behalten, nicht untergehen
kam in Fluss
es floss aus ihr
sie versank in den Wogen
“An der Oberfläche bleiben oder in die Tiefe tauchen?”
Kühn nahm sie eine Brandungswelle
fand Gefährtinnen
Und lernte ein Einsehen mit der Vergänglichkeit
Mit den menschlichen Schwächen
Den Tränen der Verzweiflung
Und der Angst der Finsternis

Text Karin Seidner & Bild Ohne Titel (Bleistift, Tusche, Aquarell) 2. Juni 1977 aus © Anna Maria Kupper: Journal 9, Sebstportraits 1964–2016, Luzern, Quart Verlag 2019

 

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La Belvedere

Komm, ich führe dich. Wir beide zusammen, wir gehen den Weg. Weitsichtig. Von hier die schöne Aussicht. Der Blick ins Weite. In der Hand trage ich die Muschel, sie ist aus dem Fluss des Lebens. Keine Angst. Wir schwimmen, den Kopf über Wasser. Reich mir die Hand, mein Leben.

 

Barocke Figur im Park des Schloss Belvedere, Wien am 26. Februar 2017. Text & Foto © BS

 

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Ich bin stolz darauf, dass ich in meinen Träumen nicht nur schweben, sondern richtig fliegen kann. Wann immer ich will.

 

 

 

 

 

Text Karin Seidner & Foto 5. März 2010 13.48 Uhr, Luzern aus © Anna Maria Kupper: Journal 9, Sebstportraits 1964–2016, Luzern, Quart Verlag 2019

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Karyatide

Du wurdest von Männern erschaffen, das Haus zu halten. Wurdest an das Mauerwerk gebunden. Solltest schweres Gebälk, Balkone und Portale tragen. Jedoch mit Leichtigkeit und Eleganz. Solltest als Stütze des Hauses Erotik ausstrahlen und nicht Last. Solltest ein freudvoller Anblick sein. Jahrhundertelang. So würde es auch weiter gehen, wärst du nicht gegangen. Ohne zurückzublicken, ohne die Sorge, ob das Haus hält.

Text & Foto © Brigitta Höpler 

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Die Welt

Dort, wo die Sonne meine Hand überstrahlt, dort geht es in die Welt hinaus. Alles mit Maß und Ziel, gestützt auf das Erdenrund, das Werkzeug in der Hand. Die nackte Brust zum Wohlgefallen ebenso wie der geschürzte Rock. Er tut dem forschen Schritt keinen Abbruch. Ich bin unterwegs. Grüß Gott! Herrschaftliche Pose. Die Welt ist weiblich.

Barocke Figur im Belvedere Park, Wien. Text & Foto BS
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Ex-Seejungfrau

Seejungfrau – das war einmal.
Mit Flossenflügelfüssen bewege ich mich wandelbar durch die Welten.
Folge keinen Versprechen noch irgendwelchen Prinzen.
Frosch bleibt Frosch.
und ich bin ich.

 

 

Text & Bild © Brigitta Höpler

 

 

 

 

 

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Bruna und Graziella

„Es war eigentlich alles wie immer. Ich stand mit Susanna im Wasser, genau so wie wir jetzt. Wir standen da so und plauderten, na du kennst das ja, so wie immer, ein Spätsommertag wie jeder andere. Und dann hatte ich plötzlich so ein Bedürfnis zu schwimmen, hinaus ins Meer, weg von den Menschen, den Booten, hinaus in die Weite. Und ich sage noch, Ciao, Susanna, ci vediamo … und ich werfe mich ins Wasser und sie schaut mir verdutzt hinterher, weil sonst schwimmen wir doch nie … und ich schwimme und schwimme immer weiter hinaus, es war einfach herrlich, nur der Horizont vor Augen, drüben die Bucht von Triest, über mir der blaue Himmel … und da plötzlich! … du kannst dir kaum vorstellen, wie ich erschrocken bin … teilen sich die Fluten, ein Kopf taucht vor mir auf, schwarzes lockiges Haar, meergrüne Augen, ein lachender Mund, der Bart voller Wassertropfen …“
„Nein!“
„Ja! Ja! Sage ich dir. Wirklich und wahrhaftig!“
„Nein!“
„Ja, ja doch. Er muss es gewesen sein! Bestimmt! Cento per cento!”
„Das ist ja unglaublich! Wie kann denn das sein?“
„Das kann ich dir nicht sagen! Aber es war so. Tatsächlich. Ich hätte mir das nie träumen lassen!“
“Warst du nicht völlig kopflos?”
“Ma certo, zuerst ja … aber dann, aber dann …”
„Was dann? … ich meine, was hast du getan?“
„Was meinst du …? Ich … natürlich … .“

Grado im September 2020, Text Beatrice Simonsen & Foto © Dirk Simonsen

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Beitragsbild © Dirk Simonsen: Wasser

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zwischen den Zeilen 4. Oktober 2020


ZWISCHEN DEN ZEILEN

Autor*innen erzählen – Werkstattgespräche & Lesungen 2020
Eine Veranstaltungsreihe der Grazer Autorinnen Autorenversammlung kuratiert von Karin Ivancsics

IM GESPRÄCH: FRIA ELFEN – BEATRICE SIMONSEN – EVA MALTROVSKY

am 4. Oktober 2020, um 15.00 Uhr

NN-fabrik, Sachsenweg 18, 7064 Oslip   www.nn-fabrik.at  

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Beatrice Simonsen ist Herausgeberin des Buches „Kunst und Literatur. Der Literatur Raum im Bildhauerhaus in St. Margarethen im Burgenland“. Es fasst das von den Bildhauersymposien inspirierte experimentelle Geschehen zusammen, das von der Autorin 2013 initiiert wurde.

 

 

Künstlerin und Mitbegründerin der Avantgardeplattform „Werkstatt Breitenbrunn“ Fria Elfen kam Ende der 1950er Jahre durch einen Besuch des Bildhauersymposiums St. Margarethen auf den Geschmack, im Burgenland zu leben und zu arbeiten.

Das Bindeglied zwischen der „Werkstatt Breitenbrunn“ und der „NN-fabrik“ ist Klaus Basset, der in den 1970er Jahren einige Arbeitsaufenhalte in Breitenbrunn verbrachte, in den 1990er Jahren dann Mitarbeiter der NN-fabrik war.

Eva Maltrovsky ist (Mit-)Herausgeberin und (Mit-)Verfasserin von Büchern über Fria Elfen und die Werkstatt Breitenbrunn und Kuratorin der NN-fabrik.

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  • Begrüßung: Karin Ivancsics, Regionaldelegierte der GAV Burgenland
  • Ausstellung: Skulpturen von Walter Kölbl und Objekte von Fria Elfen und Klaus Basset
  • Bei Schönwetter findet die Veranstaltung im Skulpturengarten der NN-fabrik statt

 

Foto Beatrice Simonsen © Dirk Simonsen: Kunst oder Natur (Koglberg)
Foto Fria Elfen © Hermann J. Hendrich: absurd, 1980, Porträt mit Textprojektion

KUNST UND LITERATUR: BUCH

Publikation: Kunst und Literatur
Der Literatur Raum im Bildhauerhaus in St. Margarethen im Burgenland 2013 – 2017
herausgegeben von Beatrice Simonsen
Verlag für moderne Kunst
224 Seiten, 24 x 17 cm, mit zahlreichen SW- und Farbabbildungen
EUR 25,-

Hier können Sie das Buch kaufen: Webshop Verlag für moderne Kunst

Die Inspiration aus der lebendigen Verbindung der Künste steht im Mittelpunkt der Publikation. Entsprechend ihrem Konzept eines Wechselspiels kreativer Energien zwischen Kunst und Literatur lud Beatrice Simonsen rund 40 Autorinnen und Autoren zu thematisch vorgegebenen Veranstaltungen in den Literatur Raum im Bildhauerhaus (2013–2017) nach St. Margarethen im Burgenland ein. Literarische Auszüge, originale Texte und Fotografien erzählen vom experimentellen, oft performativen oder transmedialen Geschehen, das im geistigen Zusammenhang mit den ehemaligen Symposien Europäischer Bildhauer (1959–1975/76) stand. Erinnerungen an die Avantgarde der damaligen Kunstszene wurden in Gesprächen wachgerufen, wissenschaftlich im Strom der Geschichte verankert, mit Narrativen der letzten fünfzig Jahre vernetzt und neu kontextualisiert. Die besondere Aura des Bildhauerhauses und die Skulpturen im freien Gelände am Schnittpunkt der Vertikalen der Alpenausläufer am Ostrand Österreichs und der Horizontalen der beginnenden pannonischen Tiefebene umrahmten das Konzept der künstlerischen Begegnung auf anziehende Weise.

Mit BEITRÄGEN von:
Luna Al-Mousli, Klaus-Jürgen Bauer, Clemens Berger, Balázs Both, Patricia Brooks, Hildegard Burgstaller, Ann Cotten, Natalie Deewan, Fausto Delegà, Franz Dodel, Makoto Fujiwara, Petra Ganglbauer, Mila Haugová, Bodo Hell, Brigitta Höpler, Zuzana Husárová, Hubert Hutfless, Karin Ivancsics, Gerhard Jaschke, Günther Kaip, kollektiv roman, Martin Kubaczek, Barbi Markovic, Wolfgang Millendorfer, Frieda Paris, Gabriele Petricek, Dine Petrik, Uta Peyrer-Prantl, Martin Pollack, Zsuzsa Rakovszky, Peter Rosei, Gerhard Rühm, Ferdinand Schmatz, Ana Schoretits, Vera Sebert, Karin Seidner, Beatrice Simonsen, Benedikt Steiner, Rudolf Stueger, Susanne Toth, Lilla Turbuly, Simone Wille

und GESPRÄCHEN mit:
Friedrich Achleitner, Anna Kubach-Wilmsen, Anna Maria Kupper, Franz Xaver Ölzant, Sebastian Prantl

FOTOS: Dirk Simonsen, Archiv Symposion Europäischer Bildhauer u.a.
DESIGN: GREAT Design, Wien
ISBN 978-3-903320-21-5

Seitwärts: poetologische Ortungen

gedichtstreu – on buddhism – sommer der poetinnen – kunst und literatur

Liebe Literaturinteressierte,
herzliche Einladung zum reinhören in die April Ausgabe 2020 von seitwärts:[poetologische ortungen], Ausstrahlung [auch online stream] am 29.4.2020, 19-20 uhr, zeitgleich bei RADIO FRO Linz 105,0 und RADIOFABRIK Salzburg 107,5 mHz. Wh. bei RADIO FRO Linz am 30.4.2020 von 14-15 uhr.

Hören Sie unter diesem Link auf RADIO FRO ab Minute 00:45 über Kunst und Literatur

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gastautor*innen in dieser sendungsausgabe: geoff howes [gedichtstreu E/D], friedl reich [literarische intervention], anita c. schaub et al [hörstück], beatrice simonsen [buchvorstellung mit einspielungen von susanne toth und benedikt steiner].

inhalt
geoff howes hat vor etwa 20 jahren den zyklus („twenty poems from memory“) geschrieben und schickt uns zwei salzburg gedichte aus ohio: cathedral square//domplatz und steingasse die als gedichtstreu in der sendung zu hören sind.

in form einer literarischen intervention an orten und plätzen in wien liest friedl reich 3 texte vom reisen: on buddhism; thailand, touristen und tiere; im fluss.

anita c. schaub bearbeitet und vertont die titelgeschichte aus „sommer der poetinnen“ einem kurzgeschichtenband, der gemeinsam mit hildegard kokarnig auf schreibreisen enstanden ist.

beatrice simonsen stellt ein buch vor, das sie 2019 herausgegeben hat: „kunst und literatur. der literatur raum im bildhauerhaus in st. margarethen im burgenland“ in seitwärts:[poetologische ortungen] erzählt beatrice simonsen, selbst autorin, über die entstehungsgeschichte dieses buches im rahmen ihrer idee “literatur raum im bildhauerhaus”. susanne toth und benedikt steiner lesen jeweils Ausschnitte ihrer im buch abgedruckten beiträge.

in memoriam lois weinberger [1947-2020]. seitwärts: [poetologische ortungen] widmet dem kürzlich verstorbenen konzeptkünstler den song „caravan of fools“ von john prine [1946-2020] [vgl. standard 21.4.2020].

weiterführender Inhalt hier….

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UND: neue Radionachbarschaft bei Radio FRO, jeden 5. Mittwoch im Monat nach seitwärts: [poetologische ortungen] zu hören: “jonineilgordon oder wohin entschwand thomas k.”? Musik aus allen Lichtungen, zusammengetragen von Erich Klinger nach einem Anstoss: Walter Kohls Vortrag über Bob Dylan im Rahmen der Hommagen 2020. Sendungsinhalt: Auslüften – im Sinne von on Air bringen – der Schätze aus meinem Audioarchiv: Rock, Pop, Jazz, Klassik, Folk, Gesänge und Raritäten, Schräges, legale Konzertmitschnitte und was sonst noch aufzufinden ist. Fallweise mit Studiogästen.

Tune ein!
Liebe Grüße
Wally Rettenbacher

Foto: © LOSITO/Susanne Grinninger

Tone Fink / Beatrice Simonsen: Tauben

Still steht die Welt im gleißenden Frühlingslicht. Tauben wagen den kurzen Aufschwung, sinken hernieder. Vor dem Fenster tobt der Sonnenschein. Im Garten sprießt die Wiese, komme was wolle. Sieben Sternchen am grünen Himmel. Schauen frisch in die Welt, wissen von Nichts. Jede Blume eine Blume des Lebens.

 

Bild: Tone Fink aus dem Zeichentrickfilm “T. nicht füttern” (2016) Link zur Homepage von TONE FINK
Text: Beatrice Simonsen (2020)

Ab April 2020 bringt “Kunst und Literatur” Ausschnitte aus aktuellen Publikationen oder eigenständige Miniaturen in Text und Bild auf den Blog.

Franziska Füchsl: Tagwan

Der Platz lag zu gut zwei Drittel noch im Schatten, und in dessen Schutz tummelten sich, geschäftiger als an den lichten Ständen, Trauben von Leuten mit Körben und Taschen, Wäglein und Rucksäcken: sie halten, wägen, mustern Sache für Sache, bedacht – zuvorderst gibt niemand Acht auf die lautstarken Trichter und Dickhälse, die in ein über den Dingen liegendes Areal grölen, wo die mächtigen Stimmen gegenseitig sich aufwiegeln, die Luft durchschneiden, sich weigern einzuknicken. Und aus diesem Getös, das dem Markt die Mitte gibt, löse ich ein Wort heraus, und noch eins, und eins, eins, und verstehe: »Isch!« Und ein weiteres: »Eisch!« Mehr noch: »Ischa Isch!“ und »Ischs Eisch!« Auch: »Ilch und Äs!«, »Umen!«, »Offe!«, »Esser Eiffen!«, »Üse!«, »Os!« Und da ich höre »Armes O!«, rutscht die Hand aus meinem versunkenen Staunen, und der sperrige Ast mit seinen laubgetarnt’ und spitzigen Zweigen peitscht mir ins Gesicht. »O! Üse! Eisch! Esse/ Isch! Ilch und Ä/ Esser Ei/ O/ Umen! Offe! Armes O!«

Längst schon wird die Alte in der Meute verloren sein. Der Bauer lag umgekippt neben mir, erfüllt von Geflatter und aufgeregtem Schnattern. Ich hob ihn auf, drückte den Ast, indem ich mich gegen ihn stemmte zur Seite – huschte durch. Die Tische und Stände und Wägen standen alle derart durcheinander, dass nichts am Markt den Weg freigab. Ein das Geschrei und den Eifer der Leute schneidender Pfiff traf mich – augenblicklich wusste ich, der Pfiff gilt mir, und ich suche die Alte, fahr auf Zehenspitzen den Platz hin und her schwenkend ab: unter all den Tüchern nicht das eine. Wieder der Pfiff – reißt diesmal meinen Blick mit sich hin zu einer über den Köpfen wankenden Krücke.

Den Bauer trug ich in Umarmung vor mir her, so dass auf meine Schritt sich zwar nicht achten ließ, aber ich seitlich nirgends anstieß. Mit dem Schnäbelchen am Stoff meines Shirts pickend – manchmal lupfte es nicht nur Stoff, auch einen kleinen Hauthader hie und da, doch ich fluche hinter zugebissenen Zähnen – fand ich mich eine Zeit lang abgelenkt vom Geschäft und ich konzentrierte mich auf den Weg. Der Krücke, die zwischendurch über den Leuten winkte, kam ich näher – schon in der Sonne, da stand ich an, vor einem Tisch mit bernsteinfarben gefüllten Einweckgläsern, die im Licht schimmerten. Dahinter die Alte, die der anderen etwas zusteckt, dass diese mir den Bauern abnimmt und ihn der Alten bringt, die sich auf einen niedrigen Hocker neben einem runden Beistelltischchen hat fallen lassen.

Die Frau vor mir explodiert: »Eni! Eni! Eni!« Mein vom Lichtspiel glitzernder Blick schrickt zurück, eilt auf die Alte, die ruhig sitzt, umherblickt – nichts verschreit. Grad da ihr Blick auch mich streift – und ich glaube, ein Zeichen – torpedieren die Arme der »Eni!« unsere Übereinkunft. Über den Tisch gebeugt, drängt sie mich zur Seite. Wohin mit mir? Da überschwappt mich ein Taumel, hier waren Füße unter meinen, die aus kreischenden Mäulern auf meinen Schädel brettern, nur die Blicke verhalten sich, unverrückbar auf die Sachen gerichtet. »Ürze!« waren am Nebentisch in wie vielen offenen Dosen aufgebahrt, verschiedenfarben, pulvrig oder grob – und eins neben dem anderem wurde in seinem Geruch vom nächst lauteren ausgestochen. Ein Stoß in meine Taille, jemand drängt vorbei, ich atme ruckartig ein, Schießpulver, das unverzüglich fehlgezündet Nasenwurzel und Tränendrüsen derart zurichtet, dass mit einem »Ha…« mein ganzes Gesicht eingetrenst ist. Von dieser Schockwelle hingerissen, lass ich mich fallen.

Wie ich auf den Knien halb unter dem Tisch der Eniverkäuferin mit der Schürze um die Augen tupfe und die Nase mir putze, flattert mein Geblinzle vor einem vollen Glas, das vor mir am Boden lag – wie konnte ich anders, als es der Sonne zu bringen? Kurz: Ich stibitzt’s, und die Alte, die immer mehr sieht, als ihr Buckel vorgibt – verriet mich nicht.

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Ausschnitt (S. 53-56) aus dem Prosadebüt „Tagwan“ von Franziska Füchsl. Es erzählt von Wanderschaften durch wunderliche Landstriche, in denen eine Scheuche, eine Wache und eine Lumpensammlerin tagwandeln. Begegnungen mit einer einbeinigen Puppe, einem sprechenden Spat, dem Flicker Woitsch und einer Zeichnerin akzentuieren das Widerspenstige, das allen Figuren und deren Ambiente anhaftet. Weitere Infos zum Buch unter folgenden Link Ritter Books.

Ab April 2020 bringt “Kunst und Literatur” Ausschnitte aus aktuellen Publikationen oder eigenständige Miniaturen in Text und Bild auf den Blog.

Foto: Kermikdodln von Franziska Füchsl © Marwin Strindt

 

5. März 2020 Buchpräsentation in Eisenstadt

Vortrag von KLAUS-JÜRGEN BAUER und
Lesungen von KARIN SEIDNER und BEATRICE SIMONSEN am

Donnerstag, 5. März 2020 um 19 Uhr

auf Einladung von ARCHITEKTUR RAUMBURGENLAND

im Kunstverein Eisenstadt, Joseph-Haydn-Gasse 1, 7000 Eisenstadt

“Der Kyffhäuser Westpannoniens ist nicht, wie Reinhold Schneider einmal meinte, die Bergkirche von Eisenstadt, sondern vermutlich eher das Gelände des Steinbruchs von St. Margarethen. Jedenfalls ist dieser Berg der Kunst aber der Monte Verità Österreichs. Ein janusköpfiger Ort: Er repräsentiert sowohl Natur als auch Kultur in seinem jeweils Besten. An diesem Ort hat sich das gesamte 20. Jahrhundert hindurch die jeweilige zeitgenössische Szene konzentriert und Schicht um Schicht an Kultur angelagert, analog zu den Kalksandsteinschichten des Steinbruchs.” (Klaus-Jürgen Bauer)

Der Architekt und Kurator KLAUS-JÜRGEN BAUER spricht in einem Vortrag mit Power Point Präsentation zur interessanten Geschichte des 1967 vollendeten “Bildhauerhauses” in St. Margarethen. Es diente einst als Unterkunft für die Teilnehmer_innen der Internationalen Bildhauersymposien (1959–1976). Anfänglich von verschiedenen Bildhauer-Architekten angedacht, wurde es schließlich von Architekt Johann Georg Gsteu vollendet und erhielt mehrere Preise. Seit 2017 steht es unter Denkmalschutz und ging 2018 nach Kündigung des Pachtvertrags vom Verein Symposion Europäischer Bildhauer in den Besitz der Esterhazy Betriebe über.

Die anschließenden Autorinnen-Lesungen folgen dem Konzept von “Kunst und Literatur”, wie es in der neu erschienenen Publikation über Veranstaltungen im Bildhauerhaus zum Ausdruck kommt.
KARIN SEIDNER verfasste für den “Literatur Raum im Bildhauerhaus” 2015 einen Text zur Skulptur “Welle” der Bildhauerin Anna Maria Kupper, die 1971 beim Symposion in St. Margarethen zu Gast war. BEATRICE SIMONSEN liest ihre Erzählung über acht Bildhauerinnen, die zwischen 1959 und 1976 Teilnehmerinnen der Symposien waren. Der Text war 2017 ebenfalls in einem “Literatur Raum im Bildhauerhaus” als Soundinstallation zu hören.

Wir freuen uns, dass die damals in St. Margarethen tätige Bildhauerin ANNA MARIA KUPPER aus Luzern anwesend sein wird!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Klaus-Jürgen Bauer, *1963 in Wien. Architekturstudium in Wien (Meisterklasse Holzbauer). Wissenschaftlicher Mitarbeiter Bauhaus – Universität Weimar. Promotion. Seit 2001 Lehrauftrag an der TU Wien. Architekturbüro in Eisenstadt. Bis 2006 Vorsitzender des Architektur Raumburgenland, jetzt Kurator. Seit 2010 ständiger Fachbeirat BIG Art. Vorträge im In- und Ausland. Umfassende Publikationstätigkeit (fachlich und belletristisch). Mitglied von PEN und ICOMOS.

Karin Seidner, *1963 in Wien, lebt als Psychotherapeutin, Schriftstellerin und Performancekünstlerin in Perchtoldsdorf, übt sich in der Kunst der Mutterschaft mit Hilfe von drei Söhnen und einer Stieftochter. Zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien im In- und Ausland. ¼ der literarischen Performance-Gruppe „grauenfruppe“ www.grauenfruppe.at. Leitet kreative Schreibworkshops www.sprach-raum.at. 2003 Siemens Literaturpreis, 2016 Forum Land.Literaturpreis, 2017 Goldstaub Literaturpreis Prosa.

Beatrice Simonsen *1955 in Wien. Literaturkritikerin, Kulturvermittlerin, Herausgeberin, Autorin. Konzipierung und Organisation von Projekten im Zusammenspiel von „Kunst und Literatur“ (u.a. Jenö Takács-Gedenkkonzerte, Kooperationen mit bildenden Künstlern). Literarische Veröffentlichung zuletzt in “Transdanubisierungen” (Hg. Elena Messner/Eva Schörkhuber, Verlag Sonderzahl 2018). Mitglied der GAV.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos:
Beitragsbild: Eingang zum Bildhauerhaus © Dirk Simonsen
Bild oben: Lesung Karin Seidner vor der Skulptur von Anna Maria Kupper © Veit Macke
Bild unten: Die im “Hörzimmer” abgebildeten Bildhauerinnen Maria Biljan-Bilger, Ursula Sax, Alina Szapoczinkow und Magdalena Wiecek  © Dirk Simonsen