Renate Welsh-Rabady zum 80.Geburtstag

Renate Welsh RabadyDIE WELT VERÄNDERN

Renate Welsh-Rabady, bewährte Autorin aus der starken Riege österreichischer Kinder- und Jugendliterat_innen, schreibt ebenso für Erwachsene und feiert im Dezember 2017 ihren 80. Geburtstag. 

Die Autorin im Gespräch mit Beatrice Simonsen

In Ihrem stattlichen literarischen Werk, an dem Sie seit fast fünfzig Jahren und immer noch unermüdlich arbeiten, verschwimmen oft die Grenzen zwischen Jugend- und Erwachsenenroman. Ihre Bücher sind für alle Altersgruppen interessant und spannend zu lesen. Andererseits sind Sie auch mit Kinderbüchern, besonders mit der Figur des „Vamperl“ sehr bekannt geworden. Wie sind Sie denn eigentlich zum Kinderbuchschreiben gekommen?

Das war eine typische 68er-Jahr-Entscheidung: Ich wollte etwas gegen Vorurteile tun, weil ich dachte, dass Vorurteile der größte Bremsklotz sind, der Menschen daran hindert so zu sein, wie sie eigentlich gern sein möchten. Um gegen Vorurteile anzugehen, muss man sie dort erwischen, wo sie noch nicht das ganze Menschengewebe durchwachsen, sondern erst kleine Würzelchen haben – und da muss man bei Kindern anfangen. Da war die Entscheidung, Kinderbücher zu schreiben, naheliegend. Das war eine sehr klare Entscheidung. Es war auch die Zeit, in der ich mit Kindern im Krankenhaus arbeitete und ziemlich viel schlechtes Gewissen hatte, weil ich so deutlich erlebte, wie groß der Vorteil war, den meine eigenen Kinder gegenüber vielen anderen hatten. Die sind zwar mit sehr viel weniger materiellen Gütern aufgewachsen, hatten aber den ungeheuren Vorteil an Sprache, an Möglichkeiten … Da hab ich gedacht: Dagegen muss man was tun.

Sie haben sehr jung geheiratet und Kinder bekommen …

Viel zu jung! Ich hab zwei Söhne aus dieser ersten Ehe und es ist gut, dass es die gibt. Wir können ganz gut miteinander.

Aber Sie haben nicht – wie manche andere – aus dem Impuls begonnen, für Ihre eigenen Kinder zu schreiben?

Nein. Das, was ich für meine Kinder erfand, hab ich nie aufgeschrieben. Das waren private Geschichten, die aus dem entstanden sind, was wir zusammen erlebt haben.

Sie haben aber auch als Übersetzerin gearbeitet …

Ich bin sehr lange sehr vertraut mit der englischen Sprache gewesen. Meine erste Matura machte ich in Amerika, weil ich mit fünfzehn Jahren dorthin kam. Das war damals – 1953 – eine große Sache. Aus dieser Vertrautheit heraus begann ich später zu übersetzen. Als ich dann einsah, dass ich leider keine neue Literaturform erfinden werde – weil das immer schon irgendwelche grauslichen Leute vor dreißig Jahren erfunden hatten, was ich erfand – setzte ich meine Sprachverliebtheit beim Übersetzen ein. Das hat mir viel Spaß gemacht. Ich hab dabei viel gelernt. Ich glaub, dass Übersetzen eine weitgehend unterschätzte und sehr wichtige Tätigkeit ist.

Haben Sie mit dem Übersetzen dann zugunsten des literarischen Schreibens aufgehört?

Als das Schreiben zu meiner größten Überraschung eine Möglichkeit wurde, davon zu leben, hat es das Übersetzen verdrängt.

Was war Ihr erster durchschlagender Erfolg?

Das war der Roman „Johanna“ (Anm.: erschienen 1979). Der ist hier in Hilzmannsdorf (Anm.: dem Landsitz der Autorin in der Buckligen Welt) entstanden. Es war die Geschichte meiner Nachbarin. Eine Geschichte, die in den 1930er Jahren in Österreich spielt und die mich sehr beschäftigt hat. Sie war eine Frau, die ich sehr schätzte, sehr mochte und die überhaupt keine Chance auf der Welt hatte. Nachdem ich alles, was man für das Leben auf dem Land lernen muss, von ihr lernte, und nachdem sie für mich auch so eine Art Mutterersatz war in ihrer Lebensklugheit, in ihrer unsentimentalen Freundlichkeit, erzählte sie mir wie sie in dieses Dorf kam – und das hat mich sehr schockiert.

Sie war damals dreizehn Jahre alt, hatte die acht Jahre Schulpflicht hinter sich. Sie war das uneheliche Kind einer Dienstmagd, die das uneheliche Kind einer Dienstmagd war und so fort … Generationen weit zurück. Aber sie hatte Glück mit ihren Zieheltern, die sagten: „Am besten du gehst dorthin zurück an die Dienststelle, wo deine Mutter gearbeitet hat, weil hier bei uns – das war im südlichen Burgenland – gibt’s keine Lehrstellen. Und Einheiraten kannst du auch nirgends, weil g’heirat wird nur eine, die so viel hat wie man selber. Und so viel wie du nix hast, gibt’s ja ned.“ So kam sie hierher nach Hilzmannsdorf und der Armenrat wollte sie gleich als Dienstmagd nehmen. Aber sie sagte: „Nein, das war nicht ausgemacht. Ausgemacht war, dass ich was lernen darf. Ich will Schneiderin werden.“ Und der Armenrat hat einen klassischen Satz gesagt, das war 1931: „Wo kämen wir da hin, wenn ledige Kinder was wollen dürfen.“ Das war gerade die Zeit, als die Diskussion aufkam, ob unehelich geborene Kinder den ehelich geborenen gleichgesetzt werden sollten.

Mir hat dieser Satz, der einem Menschen eigentlich die Menschenwürde abspricht, die Augen geöffnet. Das war absolut unmöglich, diesen Satz zu akzeptieren, weil er eine Frau betraf, die ich so bewunderte, die mir geholfen hat, mich aus dem Gewurschtel meiner persönlichen Vergangenheit herauszuarbeiten. Und sie dachte immer noch, sie müsste der Welt beweisen, dass sie was wert ist. Und deshalb wollte ich ihr ihre Vergangheit so zurückgeben, dass sie mit Stolz sagen kann: „Das bin ich.“ Da hat sie zuerst natürlich „Nein“ gesagt. Sie hat sich bei mir umgeschaut, hat die Familienportraits bei mir an der Wand gesehen und sagte: „Nein, das kann man nie verstehen, wie das ist, wenn man da her kommt, wo ich herkomm.“

Es ist mir aber doch gelungen, dass sie mir erlaubt, dass ich es schreib. Es war damals eine sehr große Arbeit, die 1930er Jahre in Österreich zu recherchieren – 1965 bis 1978 arbeitete ich daran. Es gab eigentlich kaum etwas zu dem Thema, nur zwei Dissertationen. Ich las einfach alles aus dieser Zeit, was mir in die Hände kam, alle Zeitungen vom Kaninchenzüchterverband- bis zum Gewerkschaftsblatt soweit sie vorhanden waren. Sehr viel ist verbrannt, die Russen waren hier in der Gegend. Und ich redete mit Zeitzeugen – es war eine sehr aufwändige Recherche.

Als ich fertig war, hat der Verleger – Dr. Leiter bei „Jugend und Volk“, den ich sehr mochte – gesagt: „Na Seawas, du hast uns ein Ei gelegt! Wir werden nix als Schwierigkeiten haben. Es gibt kein Fettnäpfchen, in das du nicht hineintrampelst. Jenseits der Weißwurschtgrenze wird es keiner lesen, weil es voll von Austriazismen ist und die kann man auch nicht ausbügeln, weil man kann nicht eine Dirn in Niederösterreich aufs Kartoffelfeld mit der Harke schicken. Das geht halt nicht, weil die Sprache und die Landschaft zusammengehören. Du musst schauen, dass du von den Übersetzungen lebst, weil Lesungen kriegst du sicher keine.“

Zu unser aller Überraschung hat das Buch den Deutschen Jugendliteraturpreis bekommen und es gab ein paar Veranstaltungen zum Sauschlachten – wo ich als Sau eingeladen war (sie lacht). Aber dann sind bei den Lesungen ehrenwerte alte Bibliothekare aufgestanden und sagten: „Der Herr oder die Frau Professor Sowieso werden es sicher besser wissen, aber ich muss sagen: die Geschichte von meiner Tante war genauso. Genauso war’s.“ Und plötzlich hat es nicht mehr geheißen, dass ich sozialistische Parteigeschichte geschrieben hab, sondern es wurde als historisches Dokument anerkannt.

Das war alles noch vor dem „Vamperl“ und es hatte tatsächlich eine große Wirkung für mich – dass ich „Geschichte von unten“ geschrieben hab, das hat etwas ausgelöst.

Das meinte ich zuvor, dass Ihre Bücher in ihrer Mischung aus Dokumentation und lebendiger Geschichte gleich spannend für Jugendliche wie für Erwachsene zu lesen sind. Und wie ging es dann weiter?

Kurz darauf hab ich das „Vamperl“ (Anm.: erschienen 1979) geschrieben – man braucht eben ein Kontrastprogramm. Als ich die Idee mit dem „Vamperl“ hatte, erkannte ich zuerst gar nicht, dass die Idee wirklich trächtig war (Anm.: es folgten bis 2010 mehrere „Vamperl“-Bände). Erst ein Kollege hat mich darauf aufmerksam gemacht.

Aber schon die „Johanna“ hat sich kurz nach dem Erscheinen irrsinnig gut verkauft – als gebundenes Buch gingen 70.000 Stück über den Verkaufstisch, das war für meine Begriffe ein heller Wahnsinn! Vor allem in Norddeutschland ging es gut und in Frankreich auch. Ich weiß gar nicht, in wie viele Sprachen es übersetzt wurde.

… und hat die Nachbarin es gelesen?

Zuerst hat es ihr Mann gelesen, ihre Töchter, ihre Enkeltöchter … und sie sagte zu mir: „Die sagen jetzt zu mir «Oma, du musst deppert gewesen sein, dass du dir das hast gefallen lassen«, aber sie sagen auch «Oma, du bist schon cool gewesen.«“ Sie hat es lange nicht gelesen. Sie sagte zu mir: „Ich hab es leben müssen, jetzt soll ich es auch noch lesen?“ Ich bin ja wie eine tragerte Katz um sie herumgeschlichen, weil ich mich so vor dem gefürchtet hab, was sie dazu sagen wird, und dass ich eine Figur aus dramaturgischen Gründen dazuerfand. Aber irgendwann sagte sie: „Jetzt möchte ich aber eines wissen: Wieso hast du auch das geschrieben, was ich dir nicht erzählt hab?“ Das fand ich sehr schön, diese Erfahrung, dass man beim Schreiben plötzlich mehr weiß als man eigentlich weiß. Das kann man nicht erklären, das hat nichts mit Übersinnlichkeit zu tun, sondern mit einer anderen Art von Konzentration, glaub ich.

Und da war noch etwas, was mir wirklich Spaß gemacht hat: Meine Nachbarin von der anderen Seite fand es total ungerecht, dass ich über die eine ein Büchl gemacht hab und sie muss sich selbst einen Grabstein kaufen (sie lacht). Da hab ich gedacht: Wenn mein Buch so viel wert ist wie ein Grabstein, dann hab ich einen anständigen Beruf. Im Sinn von nützlich.

Die starken, oder vielleicht mütterlichen, Frauen haben Ihnen offenbar angetan … Auch im „Vamperl“ gibt es so eine starke Frau – die Frau Lizzy.

Ich hab ein absolutes Mutterdefizit. Meine Mutter starb mit achtundzwanzig Jahren und dieses Defizit spürt man durch. Meine arme Stiefmutter konnte das nicht abdecken. Alle mütterlichen Frauen, denen ich begegnet bin – unter deren Fuchtel ich gestanden bin! – spielen irgendwie eine Rolle. Die Frau Lizzy ist eigentlich unsere Putzfrau gewesen und die hat mich so unterm Daumen gehabt. Ich hab sie heiß und innig geliebt.

Jetzt noch eine Frage zu Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit als Schreibpädagogin: Was treibt Sie schon seit vielen Jahren dazu an?

In der Hauptsache biete ich Schreibwerkstätten für Obdachlose in der Vinzi Rast an. Da ich aber auch sehr oft in Schulen Lesungen halte, werde ich manchmal dort zu Schreibwerkstätten eingeladen, weil mich die Lehrerinnen kennen und meinen, die Kids würden das brauchen.

Worum geht es Ihnen dabei?

Egal wo ich es mache: Ein ganz zentraler Punkt ist für mich, dass ich glaube, dass drei Viertel aller Agressionen und drei Viertel aller politisch gefährlichen Tendenzen ihre tiefste Wurzel in der Sprachlosigkeit haben. Ich glaube, dass ein Großteil der Sprachlosigkeit gemacht ist und damit zu tun hat, dass den Leuten nicht zugehört wird. Und ich bin der festen Überzeugung, dass man Menschen mit einfachsten Mitteln die Zunge lösen kann. Die Schreibwerkstatt soll in Wirklichkeit zu einem aktiven Zuhören führen. Die Leute merken dann: Man hört mir zu! Und wenn man mir zuhört, heißt das: Ich bin etwas wert! – und in dem Moment, wo ich etwas wert bin, bin ich auch solidaritätsfähig. In dem Moment, wo ich etwas wert bin, bin ich nicht mehr Stimmvieh, muss ich mich nicht mehr mit Ellbogen durchsetzen, sondern kann auch akzeptieren, dass viele unterschiedliche Wahrheiten miteinander eine größere bunte Wahrheit ergeben, als wenn ich nur meine Wahrheit durchzusetzen versuche. Das ist jetzt alles fürchterlich verkürzt. Aber darum geht’s eigentlich. Insofern hab ich noch ein Stück von meiner Naivität, mit der ich angefangen hab, behalten, und glaube, dass man ein bissl was zum Guten verändern kann auf der Welt.

Das Gespräch fand am 1. August 2017 in Hilzmannsdorf statt.

Fotos © Ernst Gembinsky

Lesungen November 2017

PENforum Nachbarn: SLOWAKEI

zur Erinnerung an Klara Köttner-Benigni

Bratislava

Bratislava
das klingt so weich
wie eine slowakische Melodie

Die Taube
die herflog
ist zerrissen
von Grenze

Ihr Brüder hier
mit dem grünen Zweig
meine Brüder

Hart
ist der Prüfstein
zwischen uns

(Klara Köttner-Benigni 31.7.1979)

am Sonntag, den 19. November um 14 Uhr
in der Landesgalerie Burgenland
Franz Schubert-Platz 6
7000 Eisenstadt

Mitwirkende: Mária Bátorová, Didi Drobna, Etela Farkašová, Robert Frittum, Milan Richter, Ingrid Schramm, Beatrice Simonsen und Katharina Tiwald (Organisation: Katharina Tiwald)

PENforum Eisenstadt

 

Poesie mit einem rosaroten Mascherl
Ist es das, was man von uns Autoren erwartet?
von Ingrid Schramm

Gestern ist mir etwas Eigenartiges passiert: Katharina Tiwald, die Präsidentin des Burgenländischen PEN-Clubs hatte mich eingeladen, dem Publikum in der Landesgalerie Eisenstadt die Autorin und Umweltaktivistin Klara Köttner-Benigni vorzustellen. Ich erzählte einem Freund, (ein Mann um die Sechzig, der immer Dienst nach Vorschrift gemacht hatte), ganz begeistert, dass ich Klara Köttner-Benigni in ihrem Lebensumfeld vorstellen wollte, um zu zeigen, was für eine mutige Frau sie war: Ich wollte ihren Kampf gegen den Bau einer Brücke über den Neusiedlersee in allen Facetten zeigen. Denn ihr Gegner war niemand Geringerer als Landeshauptmann Kery, der damals das Burgenland regierte wie ein Sonnenkönig und mit einem Jaguar als Dienstwagen durch die Dörfer brauste, um sich von den örtlichen Blasmusikkapellen feiern zu lassen. Ein mächtiger SPÖ-Sultan, der selbst dem ein oder anderen seiner eigenen Parteifreunde wegen seiner Verschwendungssucht unheimlich war.
Der Mann fragte mich: “Sag mal, wen interessiert denn das noch? Das sind doch uralte Kamellen. Ich dachte, du sprichst über Literatur.”
Meine Gegenfrage: “Was ist denn Literatur für dich: Poesie mit einem rosaroten Mascherl?”
Ja, liebe Leute, wen interessiert das, wenn man über eine Frau spricht, die sich dem Willen eines mächtigen Landeshauptmannes entgegengestemmt hat, um das Naturschutzgebiet Neusiedlersee zu retten?
Wen interessiert es, dass mehr als 10 Jahre später die Antiterrortruppe Cobra in Hainburg einmarschiert ist und die Umweltschützer mit Schlagsstöcken verprügelt hat?
Nur mich, weil ich Hainburger-Au-Veteranin bin? Bin ich die einzige, die das interessiert? Habe ich gestern nur einen Ego-Tripp veranstaltet?
Nein, Literatur ist Kampf. Das hat uns Klara Köttner-Benigni vorgelebt. Ich habe den Mann dann gefragt, ob er der Meinung sei, dass wir auch nicht mehr über die Gräuel der Hitler-Zeit schreiben sollen? Ist ja auch etwas Uraltes, habe ich provokant gesagt. Da wurde er kleinlaut: “Nein, natürlich nicht.”
Also, ich persönlich will mehr als Autorin, mehr als nur Weihnachtslieder singen und die Menschen in eine Heile-Welt-Stimmung versetzen. Ich will aufrütteln: Ich will sagen, wenn wir alles nur hinnehmen, wie es kommt, dann hätten wir heute eine mit einer Brücke überbauten Neusiedlersee und ein Wasserkraftwerk in der Hainburger Au. Gut, es ist sehr unwahrscheinlich, dass wir uns nochmals an Bäume ketten müssen, um die Abholzung zu verhindern. Und die Cobra wird auch nicht mehr auf harmlose Umweltschützer einprügeln. Aber wenn wenn wir uns als Schriftsteller nicht sehr rasch auf die Beine stellen und laut “Nein” schreiben, dann werden wir bald in einem rechtspopulistischen menschenfeindlichen Europa leben müssen. Literatur ist Kampf: Das wollte ich gestern sagen, als ich über Klara Köttner-Benigni sprach.

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Freitag, 24. November 2017, 18:00 Uhr

Literaturtage Salzburg 2017

ARGEkultur gemeinnützige GmbH, Ulrike-Gschwandtner-Straße 5, 5020 Salzburg

Gespräch mit Julia Gsertz und Buchpräsentation „Grenzräume. Eine literarische Spurensuche im Burgenland“ edition lex liszt 12

Beitragsbild: Grenzraum am Neusiedler See im Winter

Nachlese zum 10.LITERATUR RAUM IM BILDHAUERHAUS

Die erste konzeptionelle Zusammenarbeit von Beatrice Simonsen mit Sebastian Prantl (TRANS ART WORKS : International ChoreoLab Austria) für den zehnten LITERATUR RAUM im BILDHAUERHAUS führte zu einer integralen Veränderung des Formats und zu “Bewegenden Begegnungen” im Rahmen der ORF Langen Nacht der Museen. Die von Sebastian Prantl gesetzten Impulse schufen neue Freiheiten im räumlich-zeitlichen Verhalten aller Beteiligten (Publikum & Performer) und generierten live ein inklusives theatrales Geschehen unter dem teilweisen Verzicht auf Prinzipien klassischer Literaturveranstaltungen.

Der Abend begann mit einer Stippvisite zur Skulptur von Jiri Seifert am Gipfel des St. Margarethener Kogls. Die aus Prag angereiste Kunsthistorikerin Hana Seifertová – Ehefrau des 1999 verstorbenen Bildhauers – schilderte die Situation der tschechoslowakischen Künstler zur Zeit der Entstehung der Skulptur. Sinn des “Glockenturms” war die Erinnerung an den Protest des Studenten Jan Palach, der sich nach dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts 1968 und nach der Niederschlagung des Prager Frühlings selbst verbrannte. Das Gespräch wurde im Anschluss im Bildhauerhaus zwischen Sebastian Prantl und Frau Seifertová fortgeführt und durch Anna Maria Kupper ergänzt, die 1971 selbst als Bildhauerin in St. Margarethen tätig war. Die eigens aus der Schweiz angereiste Künstlerin sprach von der Bedeutung der Internationalen Symposien, die eine wichtige Begegnungszone für Künstler_innen aus Ost und West darstellte.

Mit einem poetischen Text zur früh verstorbenen polnischen Bildhauerin Alina Szapoczikow schaltete sich die Autorin Frieda Paris zwischen die konkrete Erinnerung an die Bildhauersymposien und Erinnerungsarbeit wie sie der Autor Martin Pollack leistet. Im Gespräch mit Beatrice Simonsen erzählte der profunde Kenner der osteuropäischen Geschichte aus seiner journalistischen Vergangenheit und nahm dann mit seiner Lesung “Polnische Lektionen” Bezug auf seinen eigenen Werdegang als Slawist. Im Weiteren wurde deutlich, wie er sich selbst erst langsam der Bedeutung des Verbalisierens von verdrängter Familiengeschichte oder bedenklichen Ereignissen der Geschichte im Allgemeinen und den Gräueln des Nationalsozialismus im Speziellen annäherte.

Der Musiker und Trompeter Franz Hautzinger und der Tänzer und Choreograph Sebastian Prantl schlossen mit einer bewegenden Performance an diese Lesung an und setzten Impulse für Interaktionen der jungen Autor_innen des Abends Vera Sebert, Benedikt Steiner, Frieda Paris und Patrick Wolf frei. In einem konzeptionellen Vorlauf mit dem ChoreoLab hatten die jüngeren Protagonist_innen bereits Gelegenheit gehabt, sich mit dem komplexen Thema Performance auseinanderzusetzen. Interventionen am und für das Publikum von Frieda Paris und Patrick Wolf zeigten sich als performative Irritationen, die die Prinzipien klassischer Literaturveranstaltungen durchbrachen. Benedikt Steiner kreierte mit seiner von Texten begleiteten Präsentation seiner Buchbinderfertigkeit einen Raum im Raum, eine Insel im bewegten Meer performativer Angebote. Vera Sebert verfolgte die Geschehnisse mit ihrer Webcam und projizierte die verzögerten Bilder an die Wand, erzeugte poetische Visionen.

Das Publikum hatte Gelegenheit frei durch das Haus zu flanieren und über die aus den Hörzimmern klingenden Stimmen noch mehr über die Vergangenheit der Bildhauersymposien zu erfahren:
Hören Sie unter diesem Link! fiktive Monologe von acht in St. Margarethen tätigen Bildhauerinnen von Beatrice Simonsen, eine Soundinstallation von Wally Rettenbacher mit Erinnerungen von Uta Prantl-Peyrer und Oral History Aufzeichnungen der Malerin gemixt mit jenen des Steinbrucharbeiters Josef Puschitz (Tonaufnahme und Gestaltung: Valerie Bosse). Historische Fotografien bebilderten die Zimmer, die den Bildhauern damals als Unterkunft dienten.

Die am langen Tisch im Hauptraum servierte heiße Suppe und große Brotlaibe waren Teil der Konzeption des Abends, der mit einer Lesung von Barbi Markovic beschlossen wurde. Mit ihrem kräftigen Auftritt bündelte sie noch einmal die Aufmerksamkeit, indem sie einen Ausschnitt aus ihrem doppelt preisgekrönten Buch “Superheldinnen” zum Besten gab und damit die aktuelle Situation von zeitgenössischen Künstlerinnen auf satirische Art und Weise ins Blickfeld rückte. Es gilt, den kriegerischen Geist der Väter-und Müttergeneration zu besiegen und “…the truly lovely European way” (Zitat Alina Szapocznikow) zu nehmen.

Sebastian Prantl (Symposion Europäischer Bildhauer / Tanzatelier Wien / International ChoreoLab Austria) und Beatrice Simonsen (Kunst und Literatur) danken Zuzana Husárová und Ferdinand Schmatz vom Institut für Sprachkunst / Universität für Angewandte Kunst Wien für die gelungene Kooperation.

Mit finanzieller Unterstützung von: Bundeskanzleramt / Sektion Kunst, Energie Burgenland, Gemeinde St.Margarethen, Grazer Autorinnen Autorenversammlung Kulturabteilung des Landes Burgenland und Robert Bosch Stiftung.

Alle Fotos: © Dirk Simonsen
Beitragsbild: Schlussstein von Maria Biljan-Bilger am Bildhauerhaus

8. Oktober : GAV Burgenland in Eisenstadt

SCHRIFT UND BILD – Literarische Betrachtungen des Burgenlandes von und mit

Klaus HABERL, Peter PESSL, Dine PETRIK,
Mechthild PODZEIT-LÜTTJEN,
Beatrice SIMONSEN und Susanne TOTH

8. Oktober 2017, 15 Uhr
Landesgalerie Burgenland
Franz Schubert-Platz 6
7000 Eisenstadt

GAV Lesung Landesgalerie Burgenland

Nach einem ersten Lesungsabend der GAV Burgenland im Frühling folgt nun ein zweiter im Herbst: Wie sehen SchriftstellerInnen das Burgenland, welche Bilder zeichnen sie in ihren Texten? Von farbigen Landschaftsbeschreibungen (des Seewinkels oder des hügeligen Mittelburgenlandes) über satirehafte Skizzen ihrer Bewohner mit wenigen Strichen bis zu lautmalerischen Gedichten und abstrakten Darstellungen von Begriffen wie Heimat reicht die Palette der Werke, die VertreterInnen der größten österreichischen Literaturvereinigung, der Grazer Autorinnen Autorenversammlung, mit Bezug zum Burgenland ausgewählt haben.

Die Gruppe von AutorInnen unterschiedlicher Ausrichtungen, die einen lebendigen Fokus in der zeitgenössischen Literaturszene darstellt, ergänzt mit ihren Lesungen die ausgestellten Objekte kongenial.

Musikalische Umrahmung: Clemens Frühstück
Moderation: Karin Ivancsics, Regionaldelegierte der GAV Burgenland

Foto: Herbstzeitlose © Dirk Simonsen

30. Mai im Literaturhaus Wien: Karl Kraus und die Frauen

Lesungen mit HILDE SCHMÖLZER, BEATRICE SIMONSEN und ANDREA STIFT-LAUBE
im Literaturhaus Wien, Seidengasse 13, 1070 Wien

Dienstag, 30.05.2017, 19.00 Uhr

Hilde Schmölzer spricht über das widersprüchliche Frauenbild von Karl Kraus und liest aus ihrem Buch Frauen um Karl Kraus (Kitab, 2015) über das Liebesverhältnis von Kraus zur Schauspielerin Irma Karczewska, das „Kindweib“, die „große Hetäre“, die 14 war, als er sie „entdeckte“.
Beatrice Simonsen berichtet in einem Essay über die von gegenseitiger Hochachtung getragene, wenn auch nicht immer konfliktfrei verlaufene Freundschaft zwischen Kraus und der großen Dichterin Else Lasker Schüler.
Andrea Stift-Laube liest über die Kriegsberichterstatterin Alice Schalek, auf die sich Kraus als absolutes Feindbild eingeschossen hatte.

Organisation und Gestaltung: Hilde Schmölzer
Veranstaltet von der Grazer Autorinnen Autorenversammlung

Link zum Literaturhaus

Foto: Wolken © Beatrice Simonsen

Meiner Seel’, heut freut mich mein Leben

EIN FEST FÜR LUDWIG ANZENGRUBER
am 13. Mai 2017 um 15 Uhr und um 19 Uhr
im „Anzengruber Stüberl“ in Wolkersdorf, Wienerstraße 15

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im Rahmen des Viertelfestival NÖ – Weinviertel

Achtung! Beide Veranstaltungen sind bereits ausverkauft!

1874 schrieb Ludwig Anzengruber in Wolkersdorf das Schauspiel „Der G’wissenswurm“. Der Dichter wohnte ein Jahr lang mit seiner Familie im „Gasthaus Goldener Strauß“. Seine Mutter erhoffte sich von dem ebenfalls im „Goldenen Strauß residierenden Arzt Dr. Hebentanz eine Linderung ihres Gichtleidens.
Vom Gasthaus ist heute nur noch das „Anzengruberstüberl“ erhalten. Man widmete es dem Dichter 43 Jahre nach dessen Tod. Der Maler Sabransky-Thalbrück schmückte das Gewölbe mit Szenen aus den Stücken „Der Meineidbauer“, „Der Pfarrer von Kirchfeld“ und „Der G’wissenswurm“.

Unter dem Motto „Worte, Torte, Töne“ feiern wir den 143. Jahrestag der Drucklegung des „G’wissenswurms“. Dieses lebensbejahende Volksstück zeigt: Wo Menschen füreinander sorgen, haben egoistische Motive keinen Einfluss.
Schauspielerinnen lesen Szenen aus dem Stück. Wir präsentieren heitere und ernste Texte in Auseinandersetzung mit Anzengrubers Leben und Werken, Musik, Wein, Büffet und eine Torte der besonderen Art.

PROJEKTLEITUNG:

Ulrike Winkler-Hermaden, Clasien Penkler

MITWIRKENDE:

Szenische Lesung: Brigitte Heller, Else Müller

Texte: Ulrike Bergsmann, Britta Mühlbauer, Karin Seidner, Beatrice Simonsen, Ulrike Winkler-Hermaden

Torte: Clasien Penkler

Musik: Ulli Sanou

Wein und Büfett: Biohof Maria und Franz Vogt

KARTEN UND INFO:

Veranstalterin: Ulrike Winkler-Hermaden

Anmeldung: +43-650-45 92 001, winkler.hermaden@gmx.at

Wichtig: Aus Platzgründen ist eine Anmeldung unbedingt erforderlich!

ACHTUNG! BEIDE TERMINE SIND AUSVERKAUFT!

Kostenbeitrag für Büfett und Getränke.

Bild: © Clasien Penkler

 

 

7. Oktober 2017 : 10. Jubiläum

img Milena Lah

 

Der LITERATUR RAUM im BILDHAUERHAUS feiert am 7. Oktober 2017 im Rahmen von ORF Lange Nacht der Museen sein 10. Jubiläum: 

Das Bildhauerhaus in St. Margarethen im Burgenland, 1967-1969 nach Plänen des österreichischen Architekten Joahnn Georg Gsteu erbaut, steht seit einigen Jahren unter Denkmalschutz und wird seit 2011 mit synergetischen Veranstaltungen von Kunst, Architektur, Performance, Theorie und Literatur wieder belebt. Es ist der Erinnerungsort der ehemaligen Bildhauersymposien, die 1959 von Karl Prantl, einem Doyen der abstrakten Bildhauerei, initiiert wurden und bis 1993 unter Mitwirkung internationaler Künstlerinnen und Künstler hier stattfanden.

Heute lebt das Bildhauerhaus von mannigfaltigen Begegnungen und ist Denkfabrik und Aktionsraum zugleich. Erinnerungen an die Avantgarde der Internationalen Bildhauersymposien werden im Strom der Geschichte verankert und mit Narrativen der letzten 50 Jahre vernetzt und neu kontextualisiert. Das Bildhauerhaus als traditioneller Ort der künstlerischen Begegnung lebt – antimuseal, bewegend, berührend.

BEWEGENDE BEGEGNUNGEN
in fließenden Übergängen mit einigen Anhaltspunkten :

18.00 Uhr Führung zu Skulpturen :  Sebastian Prantl & Hana Seifertová und anschließendes Gespräch im Haus

19.30 Uhr Lesung : Martin Pollack „Topografie der Erinnerung“

ab 20.00 Uhr Texte – Performances – Musik : Franz Hautzinger, Zuzana Husárová, Frieda Paris, Sebastian Prantl, Ferdinand Schmatz, Vera Sebert, Beatrice Simonsen, Benedikt Steiner & Patrick Wolf 

21.30 Uhr Lesung : Barbi Markovic „Superheldinnen“

… permanente Hörzimmer :  Valerie Bosse & Wally Rettenbacher & Beatrice Simonsen Oral History aus St. Margarethen, eine Soundinstallation und fiktive und reale Tonspuren von Uta Peyrer-Prantl und Josef PuschitzMaria Biljan-Bilger, Patricia Diska, Anna Kubach-Wilmsen, Anna Maria Kupper, Milena Lah, Ursula Sax, Alina Szapocznikow und Magdalena Wiecek

Programm bis ca 24:00 Uhr Pauschaler Kostenbeitrag für Speisen und Getränke 4 €.

Programmänderungen vorbehalten

Bildhauerhaus St. Margarethen
Am Alten Bahnhof (Zufahrt über Ruster Straße)
7062 St. Margarethen

Eintritt 6 € (Regionalticket ORF-Lange Nacht der Museen).

BUS SHUTTLE Wien-St. Margarethen-Wien bitte bei beatrice.simonsen@gmx.at oder per Telefon unter 0660 486 11 57 bis spätestens 3.10. buchen. Ticket Preis 15 € / 9 € (Studentenermäßigung).
Abfahrt Wien Schwedenplatz um 17 Uhr, Rückfahrt ab St. Margarethen um 24 Uhr.

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Informationen zu den teilnehmenden Künstler_innen:

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Franz Hautzinger geboren 1963 im burgenländischen Seewinkel. Ein Konzert von Hannibal Marvin Peterson in der Jazzgalerie Nickelsdorf bedeutete das „Erweckungserlebnis“ des jungen Trompeters. Von 1981 bis 1983 studierte er an der Jazzabteilung der heutigen Kunstuniversität Graz, bis eine Lippenlähmung eine sechsjährige Total-Pause als Trompeter erzwang. 1986 nach Wien übersiedelt, begann er ab 1989 die Trompete auf ureigene, unakademische Weise zu erforschen. Die Zusammenarbeit mit Christoph Cech, Christian Mühlbacher, „Nouvelle Cuisine“, „Striped Roses“, Helge Hinteregger und weiters in London mit Kenny Wheeler, Henry Lowther, John Russell und Steve Noble zeigen Stationen seiner Entwicklung.
Die bewusste Entscheidung, auf elektronische Soundquellen zu verzichten, die Entwicklung digitaler Musik freilich auf der Trompete nachzuvollziehen, führten zur Aufsehen erregenden Solo-Trompeten-CD „Gomberg“ (2000). Das Eintauchen in die Welt der entschleunigten Klangmikroskopie und ab 2003 die lustvolle Wiederentdeckung musikalischer Sinnlichkeit, die Konfrontation seiner Trompetensounds mit Groove und Melodik („Regenorchester XI“ und XII) sind weitere wichtige Entwicklungsschritte.
Er unterrichtet an der Wiener Musikuniversität, ist Mitglied im Berliner Ensemble „Zeitkratzer“, erhielt Kompositionsaufträge u. a. vom Klangforum Wien und ist ein Weltreisender zwischen Wien, Berlin, London, Beirut, Tokio, New York und Chicago. Foto: Daniel Cemborek

Zuzana Husarova

 

 

 

 

Zuzana Husárová (*1983) lebt als Autorin und Theoretikerin in Bratislava, widmet sich der elektronischen Literatur, der Klangpoesie sowie der poetischen und multimedialen Performance. Als Doktorin in Literaturwissenschaft unterrichtet sie am Institut für Sprachkunst der Universität fűr Angewandte Kunst in Wien. Gemeinsam mit Ľubomír Panák entwickelte sie interaktive literarische Werke, mit Amalia Roxana Filip arbeitete sie an den transmedialen Projekten liminal und lucent (visuelle Poesie, Klangpoesie sowie Live-Performances), mit Olga Pek schrieb sie das Origamibuch Amoeba. 2011 erhielt sie das Fulbright Stipendium MIT, 2014 das „Aktion“-Stipendium Forschung.
www.zuz.husarova.net. www.delezu.net

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Barbi Markovic studierte Germanistik in Belgrad und Wien. Sie lebt seit 2006 in Wien, 2011/2012 war sie Stadtschreiberin in Graz, die Ergebnisse ihres Stadtschriftprojekts erschienen 2012 als „Graz, Alexanderplatz“. 2009 machte sie mit dem Thomas Bernhard-Remix-Roman „Ausgehen“ (Izlaženje, 2006) als Popliteratin einer neuen Generation Furore. Für den Roman „Superheldinnen“ erhielt sie 2016 den Alpha Literaturpreis, 2017 den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis der Robert Bosch Stiftung. Markovic veröffentlichte auch zahlreiche Erzählungen in Anthologien und Zeitschriften. Foto: Aleksandra Pawloff

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Frieda Paris 1986 in Ulm geboren, lebt und schreibt seit 2009 in Wien. 2013 Abschluss des BA-Studiums der Theater,- Film und Medienwissenschaft (Universität Wien sowie Université Sorbonne Nouvelle III Paris). Im Jahr 2015 Literaturstipendiatin der Kunststiftung Baden-Württemberg. Seit Herbst 2015 Studium der Sprachkunst (Universität für angewandte Kunst Wien). 2016 START – Stipendium vom Bundeskanzleramt Wien. Zahlreiche Lesungen und Performances im deutschsprachigen Raum. Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften, u.a. in Lyrik für alle (edition mosaik), Lyrik von Jetzt 3 – Babelsprech (Wallsteinverlag), all dies hier, Majestät, ist deins: Lyrik im Anthropozän  (Kookbooks). Foto: Fekrat Namat

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Martin Pollack geboren 1944 in Bad Hall. Studium der Slawistik und osteuropäischen Geschichte. Übersetzer polnischer Literatur, Journalist und Autor, 1987– 1998 Korrespondent des SPIEGEL in Wien und Warschau. Zahlreiche Preise, u. a. den Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln (2007) und den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung (2011). Lebt im Südburgenland und in Wien. Zuletzt erschienen: „Der Tote im Bunker. Bericht über meinen Vater“ (2004), „Wer hat die Stanislaws erschossen? Reportagen“ (2008), „Kaiser von Amerika. Die große Flucht aus Galizien“ (2010), „Kontaminierte Landschaften“ (2014), „Topografie der Erinnerung“ (2016). Foto: Ayse Yavas

 

 

 

 

Sebastian Prantl ist Obmann des Symposion Europäischer Bildhauer (SEB). Der Choreograph und Tänzer ist vielschichtig engagiert. Basierend auf einer langjährigen, internationalen Bühnenerfahrung, exemplarischer Performancepraxis und theoretischem Unterricht an universitären Einrichtungen widmet er sich nun auch seit 2011 der Symposions Idee seines Vaters, des Bildhauers Karl Prantl. www.bildhauerhaus.at
Mittels eines erweiterten Choreographie Begriffes untersucht er grundlegende Bewegungsstrukturen im Lebenszusammenhang und widmet sich der Wissensproduktion von Kulturtechniken. Er kreiert gemeinsam mit seiner Frau, der aus Taiwan stammenden Konzertpianistin Cecilia Li, interdisziplinäre Foren (International ChoreoLab Austria im Bildhauerhaus St. Margarethen und im Tanzatelier Wien), verbindet Tanz & Musik, Sprache & Schrift (Friederike Mayröcker), Architektur & Bauen, Gärtnern & Ernährung…
Das Tanz Atelier Wien (TAW) www.tanzatelierwien.at dient seit 1988 der Projekt-entwicklung und fungiert als Office und ‚CityLab’. Als Außenraum ‚CountryLab’ dazu, steht der Kunst- und Naturraum des Symposion Europäischer Bildhauer (SEB) in St. Margarethen/ Bgld. und dessen Vereinssitz, das exemplarische Bildhauerhaus.

wally rettenbacher. foto. marcus d. niski (2)

 

 

 

 

Wally Rettenbacher lebt und arbeitet in Salzburg und auf Reisen. Sie schreibt Prosa, Gedichte, Essays. Ebenso [Reise]fotografie. Seit 1998 „Freie Radioaktivitäten“: Hörbilder, Fieldrecordings und Features. Aktuell: Konzeption und Produktion der Sendeschiene „seitwärts: [poetologische ortungen]”, ein experimentelles Audioprojekt mit „literarischen Interventionen“ und „poetic acts“ im öffentlichen Raum. web: wallyre.net Foto: Marcus D. Niski

Ferdinand Schmatz

 

 

 

 

Ferdinand Schmatz 1953 in Korneuburg geboren, lebt in Wien und im Burgenland. Er leitet seit 2012 das Institut für Sprachkunst an der Universität für Angewandte Kunst in Wien und ist Nachlassverwalter und Herausgeber des Werks von Reinhard Priessnitz. Werkauswahl (seit 1975): Sinn & Sinne. Wiener Gruppe, Wiener Aktionismus und andere Wegbereiter 1992, SPRACHE MACHT GEWALT. Stich-Wörter zu einem Fragment des Gemeinen 1994, Farbenlehre mit Heimo Zobernig, Künstlerbuch 1995, maler als stifter. Poetische Texte zur Bildenden Kunst 1997, Dichtung für alle. Wiener Ernst-Jandl-Vorlesungen zur Poetik 2013, das gehörte feuer. orphische skizzen 2016. Preise (u.a.): Anton Wildgans-Preis 2002, Georg Trakl-Preis 2004, H. C. Artmann-Preis 2006, Ernst Jandl-Preis 2009. Foto: Dirk Skiba

Vera Sebert

 

 

 

 

Vera Sebert *1987
2007-2015 Studium Freie Kunst an der Hochschule für bildende Kunst Braunschweig und der Akademie der bildenden Künste Wien. Abschluss Meisterschülerin. 2015 Studium Sprachkunst an der Universität für Angewandte Kunst Wien, DAAD Stipendium Erasmus+ für Graduierte. 2017 Aufenthaltsstipendium
im Künstlerdorf Schöppingen. Künstlerische Arbeiten in den Grenzbereichen von visuellen Medien, Sprache, Film, Computerprogramme.
http://verasebert.com

Hana Seifertova

 

 

 

 

Hana Seifertová geboren 1934 in Tabor, Südböhmen. 1953 – 1958 Studium der Kunstgeschichte und Geschichte an Karls Universität in Prag; 1954 – 1958 Volontariat in der Nationagalerie Prag; 1959 Heirat mit dem Bildhauer Jiří Seifert; 1964 Geburt der Tochter Barbora.
1959-1969/70 Leiterin der Regionalgalerie in Liberec. 1961 gründete sie die Sammlung niederländischer Kunst des 16. und 17. Jhs. Regelmäßige Ausstellungen der tschechischen Moderne. Sie realisierte die erste Ausstellung junger Bildhauer 1964 und 1966 die erste ausländische Ausstellung mit Österreichischer Bildhauerkunst.
1968 Einmarsch der russischen Besatzung in Liberec. Sie verliert ihre Anstellung und muss mit ihrer Familie Liberec verlassen. Seit 1971 Kuratorin der Sammlung Alte Kunst in der Prager Nationalgalerie, später wissenschaftliche Mitarbeiterin (zahlreiche Ausstellungen und Publikationen über holländische Malerei des 17. Jh. und böhmischer Barockmalerei). Seit 1998 Mitglied des internationalen Vereins der niederländischen Kuratoren CODART in Den Haag und von HNA Historians of Netherlandish Art.
Sie lebt in Řevnice bei Prag.

Beatrice Simonsen

 

 

 

 

Beatrice Simonsen geboren 1955 in Wien. Studium der Romanistik und Kunstgeschichte. Literaturkritikerin und Herausgeberin der Anthologien “Grenzräume. Eine literarische Landkarte Südtirols” (2005) und „Grenzräume. Eine literarische Spurensuche im Burgenland“ (2015, Theodor Kery Preis für Literatur). Seit 2013 Konzipierung und Organisation von Projekten im Zusammenspiel von „Kunst und Literatur“ (LITERATUR RAUM im BILDHAUERHAUS u.a.). Literarische Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien. Mitglied der Grazer Autorinnen Autorenversammlung. Foto: Dirk Simonsen

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Benedikt Steiner geboren 1990 in Basel, hat Materialdesign in Luzern studiert und ging danach für Praktika nach Wien. Seither ständige Beschäftigung mit dem Dichterischen in Sprache, Bild und Raum und mit der Spannung zwischen Sinnlichkeit und Sinn. Anfang 2016 Veröffentlichung des selbst hergestellten Gedichtbands Ein Leben an sich. Seit Herbst 2016 Studium der Sprachkunst an der Universität für Angewandte Kunst Wien. Foto: Christoffer Bindig
www.benedikt-steiner.ch

Patrick Wolf geboren 1986 in Tulln an der Donau, Niederösterreich. Ausbildung zum Krankenpfleger. Studium der Sozialen Arbeit. Seit 2014 Studium der Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Veröffentlichungen: Text des Tages am 15.10.2016 auf www.fixpoetry.com: ICH LEGE MIR EINE SCHICHT ZEIT // Esther Dischereit (Hg.): Havel, Hunde, Katzen, Tulpen. Garz erzählt. Mitteldeutscher Verlag 2016

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Die Veranstaltung ist eine Kooperation von Kunst und Literatur mit dem Symposion Europäischer Bildhauer, dem Tanz Atelier Wien / ICLAB und dem Institut für Sprachkunst der Universität für Angewandte Kunst Wien.

Mit Unterstützung durch das Bundeskanzleramt Sektion Kunst, Energie Burgenland, die Gemeinde St. Margarethen, die Grazer Autorinnen Autorenversammlung, die Kulturabteilung des Landes Burgenland und die Robert Bosch Stiftung.

Konzept: Sebastian Prantl und Beatrice Simonsen
Fotos: © Symposion Europäischer Bildhauer (Steinbruch St. Margarethen 1959) und Anna Maria Kupper (Skulpturen von Milena Lah 1971)

Nachlese: Sprach Feuer Werk

Seit 2013 bietet das Symposion Europäischer Bildhauer dem LITERATUR RAUM im BILDHAUERHAUS auf dem Hügel von St. Margarethen Platz für eine synergetische Verbindung von Kunst und Literatur. Zum 9. Mal wurden Autorinnen und Autoren eingeladen, sich von den Skulpturen der ehemaligen Bildhauersymposien inspirieren zu lassen. Wie jedes Mal folgte das Publikum gespannt den performativen Lesungen und ließ sich von den Darbietungen überraschen. Der Ort ist dazu angetan, zu experimentieren und die literarische Avantgarde zu zeigen. Experimentelle Lyrik ist das Fach von Ferdinand Schmatz, der aus dem Institut für Sprachkunst der Universität für Angewandte Kunst Wien die jungen  AutorInnen Frieda Paris – mit einem berührenden Text zur Bildhauerin Alina Szapocznikow – und Rick Reuther – mit einem poetischen Ritual vor der Skulptur von Heinz Pistol – mitbrachte. Die österreichisch-amerikanische Autorin Ann Cotten reiste aus Berlin an, um die Inspirationen, die aus der Beschäftigung mit Sprache entstehen, noch zu bereichern. Nachdem der argentinische Gitarrist Diego Muné dem Programm einen fulminanten Schlusspunkt gesetzt hatte, fand der Tag am Feuer vor dem Abendhimmel seinen Ausklang.

Kurzfilm: https://vimeo.com/213076402

Idee / Konzept / Organisation: Beatrice Simonsen für Kunst und Literatur in Kooperation mit dem Institut für Sprachkunst der Universität für Angewandte Kunst Wien, GAV und SEB. Mit herzlichem Dank für die Förderungen von Bundeskanzleramt-Sektion Kunst, Kulturabteilung des Landes Burgenland, Gemeinde St.Margarethen und unserem Sponsor Baufirma WAHA.

Fotogalerie: Dirk Simonsen
Film: Johan Simonsen

Seitwärts : [Poetologische Ortungen]

Die Autorin und freie Radiomacherin Wally Rettenbacher gestaltete eine poetische Sendung für Radio FRO 105,0 – Freier Rundfunk Oberösterreich über die Anthologie “Grenzräume – eine literarische Spurensuche im Burgenland” (Hg. Beatrice Simonsen in der edition lex liszt12), in der das Grenzland Österreich/Ungarn aus verschiedensten Blickwinkeln betrachtet und reflektiert wird:

Seitwärts: Poetologische Ortungen

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Zsuzsa Rakovszky, Wally Rettenbacher, Beatrice Simonsen an der burgenländisch-ungarischen Grenze

 

Sendung jetzt hören
Sendungstitel: Grenzräume: eine literarische Spurensuche im Burgenland

Gastautor*innen: Beatrice Simonsen, Herausgeberin des Buches, Balázs Both, Wolfgang Millendorfer (Einspielung), Zsuzsa Rakovszky.

Aufnahme, Sendungsgestaltung: Wally Rettenbacher.

!!!Fotos [online]: Ábel Both

In dieser “pannonischen Reflexion” beschäftigen sich eingeladene Autorinnen und Autoren aus Österreich und Ungarn über die Grenzen hinweg in einer Art literarischen Bestandsaufnahme mit den unterschiedlichen Lebenswelten, Menschen, Ethnien und Sprachen, sowie mit verschiedenen Persönlichkeiten aus Politik, Kunst und Literatur, die diese Region prägten und prägen. Vervollständigt durch feinsinnige Landschafts- und Stimmungsbeschreibungen ergibt dieses Buch ein Zeitdokument erster Ordnung.

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Gemeinsam mit den Gastautoren und -autorinnen Balázs Both und Zsuzsa Rakovszky aus Sopron sowie Wolfgang Millendorfer aus Mattersburg (Einspielung), begaben wir uns mit Beatrice Simonsen entlang dieser geschichtsträchtigen Demarkationslinie auf einen poetologischen Streifzug durch, in und über die Zeit einer Region.

Die “Grenzräume” wurden live aufgenommen am Sonntag, den 30. Oktober 2016 in Siegendorf (Interview mit Beatrice Simonsen im Gasthaus Sonnenstrahl), sowie an der österreichisch-ungarischen Grenze zwischen Sopron und St. Margarethen, am und um dem “Tor zur Freiheit”, das anlässlich des Falls des Eisernen Vorhanges im Jahr 1989 errichtet worden ist. Als Ergebnis dieses Streifzugs ist ein poetischer “Hörnimbus” entstanden, ein grenzüberschreitendes Audiodokument begleitend zum Buch!

English Translation

Beatrice Simonsen’s book Grenzräume: eine literarische Spurensuche im Burgenland (edition lex liszt12) explores her native homeland of Burgenland – a borderland between Austria/Hungary – from differing views and differing perspectives.

In this “Pannonian reflection”, the invited authors from both Austria and Hungary engage in a kind of ‘literary bordering’ with the different worlds of lives, people, ethnicities, and languages as well as with various personalities from politics, art and literature who shape this region. Not to mention the great landscapes and mood descriptions!

In this program, Beatrice Simonsen, together with the guest authors Balázs Both and Zsuzsa Rakovszky from Sopron, and Wolfgang Millendorfer from Mattersburg, embark upon a poetological journey along this intriguing border region through, into and over historical timelines of demarcation.

The “border areas” were recorded live on Sunday, 30th October 2016 in Siegendorf (the interview with Beatrice Simonsen taking place at the Gasthaus Sonnenstrahl) as well as on the Austro-Hungarian border between Sopron and St. Margarethen both at, and around, the Gate to Freedom. The result is a poetic höronimbus of the first order!

English Translation: Marcus D. Niski, 11/2016

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Musik:

Pristup – Burgenland

Pristup – Oj, Jelena

Kálmar Pál – Elmonadi jaj de nehez [it is difficult to tell]

Kálmar Pál – Szomoru vasarnap [gloomy sunday]

Vali Racz – Cserlnek magaval

Gábor Putnoky – Egyszer lattam a tengert

D´housemusi – Komisch Pannonisch

Németh Dénes – Hallgató Csárdás

Leningrad Cowboys – Those were the days

Jenö Takács – Sonata breve op 67

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Verlage/Editionen

“Grenzräume. Eine literarische Spurensuche. Beatrice Simonsen (Hg.). edition lex liszt12. Oberwart. 2015.

Reihe: die horen. Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik (Hg. von Jürgen Krätzer).Bd. 264, 61. Jahrgang. Wallstein-Verlag.Göttingen.2016.

Online Veröffentlichung der deutschen Übersetzung von Zsuzsa Rakovszky´s Gedicht mit freundlicher Genehmigung des Wallstein Verlages!

Zsuzsa Rakovszky “Címkék: nyár, Balaton, felejtés, olasz filmek – Stichworte: Sommer, Balaton, Vergessen, italienische Filme”. Übersetzung ins Deutsche Anne-Marie Kenessey.

Zsuzsa Rakovszky
Stichworte: Sommer, Balaton, Vergessen, italienische Filme

Augustsüße, der Geschmack von schmelzendem
Eis und Sommersonne in unserem Mund.
In Schlappen laufen wir herum, vor Hitze fahl
der Himmel, wie im eigenen Zimmer.
Das Leben endloser Urlaub,
ein Garten, wo jetzt und auf ewig Sommer ist,
vom Über-Ich mit dem Flammenschwert unbehütet – Musik
und das schlangenlose Eden sonnenglänzender Körper.

Eine mächtige Lavalampe, die Sonne brennt,
sinkt hinter die Bergkette des anderen Ufers.
Im Ferienheim der Kunstseidefabrik
am Pingpongtisch
ein kleiner Auflauf[1]. Rolling Stones wird gespielt
in der Bar, das Schilfrohr schwankt im Abendwind.
Die Neonreklame des Seehotels flammt.
Wir schlüpfen aus den schweren, nach Wasser riechenden Badeanzügen.

Fischgeruch. Mückenreiche Abenddämmerung.
Im TV-Zimmer brennt schon das Licht.
In der Ferne ein Knall. Hinter dem Horizont
wechselt die Kulisse. In den Gartenkinos
unter den Palmen eines anderen Lebens
blitzen die Schultern italienischer Filmsterne.
Rauch steigt auf. Neue Losungen werden an die Himmelstafeln
geschrieben: Vergessen, Leere, Leichtigkeit.

Die Armbanduhr knackt: jetzt wechselt das Zeitalter.
Etwas ist jetzt für immer vorbei.
Die Filmmusik ist endgültig verklungen.
Das metallische Zirpen der Grillen ertönt.
Glimmende Kippen, Sternschnuppen
zeichnen eine glühende Flugbahn an den Himmel.
Das Café Meerjungfrau wird eben geschlossen.
Die Nähe des Wassers ist zu spüren, im Dunkeln.

Aus dem Ungarischen von Anne-Marie Kenessey
[1] Anm.: Menschenauflauf

Címkék: nyár, Balaton, felejtés, olasz filmek
Augusztus édessége, olvadó
fagylalt és napsütés íze a szánkban.
Papucsban járkálunk hőtől fakó
égbolt alatt, akár saját szobánkban.
Az élet végtelen vakáció,
egy kert, ahol most és örökre nyár van,
s lángpallossal nem őrzi a felettes én – zene
és napsütötte testek kígyótlan édene.

Hatalmas lávalámpa, ég a nap,
a túlpart hegysora mögé alászáll.
A műselyemipari vállalat
üdülőjének pingpongasztalánál
kisebb tömeg. Rolling Stonest játszanak
a bárban, esti szellőben ing a nádszál.
A Tó Hotel neonreklámja lángol.
Kibújunk vízszagú, nehéz fürdőruhánkból.

Halszag. Szúnyogban gazdag alkonyat.
A tévészobában már ég a villany.
Távol dörej. Díszletet váltanak
a láthatár mögött. A kertmozikban
egy másik élet pálmái alatt
olasz filmcsillagok válla villan.
Füst száll. Új jelszavak íródnak épp az ég
tábláira: felejtés, üresség, könnyűség.

Karóra kattan: most vált korszakot.
Valaminek most van örökre vége.
A filmzene végleg elhallgatott.
Fölcsap a tücskök fémes csiriplése.
Parázsló csikkek, hullócsillagok
rajzolnak izzó röppályát az égre.
A Hableány presszóban zárnak éppen.
A víz közelségét érezni a sötétben.

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Die Autorinnen und Autoren:

Beatrice Simonsen lebt als Kulturveranstalterin, Autorin und Literaturkritikerin in Wien und im Burgenland. Literarische Veröffentlichungen in Anthologien (2016 in „Behaust. Menschen unter Dach im Burgenland“ hg. von Katharina Tiwald, in „Beherrschen Sie sich“ hg. von Elena Messner und Eva Schörkhuber). 2015 Herausgabe von „Grenzräume. Eine literarische Spurensuche im Burgenland” (edition lex liszt 12), 2005 “Grenzräume. Eine literarische Landkarte Südtirols” (Edition Raetia). Seit 2013 Konzeption und Organisation von Projekten für “Kunst und Literatur”.

Zsuzsa Rakovszky was born in Sopron and earned a teaching certificate in Hungarian and English from the University of Budapest. From 1975 to 1981, she worked as a librarian. She published two poetry collections: Jóslatok és határidők (Prophecies and Deadlines) in 1981 and Tovább egy házzal (One house up) in 1987. Rakovszky received the Attila József Prize in 1987. She has won numerous prizes as one is the Tibor Déry Prize and the (Robert) Graves Prize.
Rakovszky has translated works by a number of English and American poets into Hungarian. Aswell she published prolific publications in numerous anthologies.
Selected works:
Fehér-fekete (white-black), poems (1991), Egyirányú utca (One way street), poems (1998), A kigyó árnyéka, deutsche Veröffentlichung unter: [Im Schatten der Schlange] (2005)

Wolfgang Millendorfer wurde am 1. Oktober 1977 in Eisenstadt geboren und wuchs in Sigleß auf. Er studierte in Wien und lebt und arbeitet heute als Journalist und Autor in Mattersburg. Er wirkte an Theater- und Filmprojekten mit, ist Initiator verschiedenster Kunst-Events und Musik-Experimente und veröffentlichte unter anderem die Erzählbände Stammgäste (edition lex liszt 12, 2007) und Doppelgänger (edition lex liszt 12, 2011). Zahlreiche Auszeichnungen, zuletzt Burgenlandstiftung Theodor Kery 2012, der Burgenländische Literaturpreis 2011, das Aufenthalts-Stipendium des Landes Burgenland im Künstleratelier Paliano, Italien (April 2011). web: www.wolfgang-millendorfer.at

Balázs Both, geboren 1976 in Sopron. Zahlreiche Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften seit 1999 sowie in der Anthologie “Gedichte des Jahres”. Gedichtbände:Árnyéktalan pillanat (2005) (Ein Moment ohne Schatten), Látogatód jön (2010) (Der Besucher kommt), Ha nem marad kimondatlan (2013) (Wenn es ungesagt bliebe). Der Autor lebt in Sopron.

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wallyre 11/16

12.11.2016

Text: Wally Rettenbacher, Fotos: Ábel Both

Nachlese Gemeinsam unterwegs am 25. September

“eine gewellte steinkulisse, besetzt, belesen und angehüpft, und eine literarische ameisenstraße, die sich durch die büsche schlägt, bei kaiserwetter, gesäumt, beäugt von den gottesanbeterinnen, den hügel-herrinnen” (Natalie Deewan)

… Der Sonntag Nachmittag auf dem Hügel von St. Margarethen begann mit lebhaften Erinnerungen an die Zeit der Internationalen Bildhauersymposien von SEBASTIAN PRANTL während einer Führung durch das Bildhauerhaus und zu einigen Skulpturen im Rahmen von Tag des Denkmals. Gespannt folgte eine Gruppe von rund 60 Personen seinen Ausführungen, auf die eine Lesung von SUSANNE TOTH zum Thema Denkmal folgte. Die Autorin nützte den Eichenhain rund um die Skulptur von Krishna Reddy als Raum für eine eloquente Performance. Danach lockten drei Autorinnen von kollektiv roman – NATALIE DEEWAN, VEZA QUINHONES-HALL und EVA SCHÖRKHUBER – ihre Zuhörer_innen hügelaufwärts, immer gemeinsam unterwegs auf den Spuren eines literarischen Experiments. Die mitreißende Wanderung auf dem dicht bewachsenen Hügel zwischen geheimnisvollen Sandsteinfiguren machte schließlich neugierig auf den letzten Programmpunkt im Bildhauerhaus, einer musikalischen Lesung mit LUNA AL-MOUSLI und SALAH AMMO. Beide aus Syrien stammend, zauberten sie eine fremdartige Welt in das burgenländische Bildhauerhaus, das somit die lange Tradition der Beherbergung internationaler Kunstschaffender wieder aufgreift. An diesem Tag war für die Gäste im LITERATUR RAUM im BILDHAUERHAUS etwas Besonderes spürbar, nämlich dass wir alle Teil einer gemeinsamen Bewegung auf dieser Welt sind.

Informationen zum Programm vom 25. September 2016

Fotos: © Natalie Deewan (Foto unten) und Dirk Simonsen (Galerie oben)

Literatur Raum im Bildhauerhaus 2016