Lesungen November 2017

PENforum Nachbarn: SLOWAKEI

zur Erinnerung an Klara Köttner-Benigni

Bratislava

Bratislava
das klingt so weich
wie eine slowakische Melodie

Die Taube
die herflog
ist zerrissen
von Grenze

Ihr Brüder hier
mit dem grünen Zweig
meine Brüder

Hart
ist der Prüfstein
zwischen uns

(Klara Köttner-Benigni 31.7.1979)

am Sonntag, den 19. November um 14 Uhr
in der Landesgalerie Burgenland
Franz Schubert-Platz 6
7000 Eisenstadt

Mitwirkende: Mária Bátorová, Didi Drobna, Etela Farkašová, Robert Frittum, Milan Richter, Ingrid Schramm, Beatrice Simonsen und Katharina Tiwald (Organisation: Katharina Tiwald)

PENforum Eisenstadt

 

Poesie mit einem rosaroten Mascherl
Ist es das, was man von uns Autoren erwartet?
von Ingrid Schramm

Gestern ist mir etwas Eigenartiges passiert: Katharina Tiwald, die Präsidentin des Burgenländischen PEN-Clubs hatte mich eingeladen, dem Publikum in der Landesgalerie Eisenstadt die Autorin und Umweltaktivistin Klara Köttner-Benigni vorzustellen. Ich erzählte einem Freund, (ein Mann um die Sechzig, der immer Dienst nach Vorschrift gemacht hatte), ganz begeistert, dass ich Klara Köttner-Benigni in ihrem Lebensumfeld vorstellen wollte, um zu zeigen, was für eine mutige Frau sie war: Ich wollte ihren Kampf gegen den Bau einer Brücke über den Neusiedlersee in allen Facetten zeigen. Denn ihr Gegner war niemand Geringerer als Landeshauptmann Kery, der damals das Burgenland regierte wie ein Sonnenkönig und mit einem Jaguar als Dienstwagen durch die Dörfer brauste, um sich von den örtlichen Blasmusikkapellen feiern zu lassen. Ein mächtiger SPÖ-Sultan, der selbst dem ein oder anderen seiner eigenen Parteifreunde wegen seiner Verschwendungssucht unheimlich war.
Der Mann fragte mich: „Sag mal, wen interessiert denn das noch? Das sind doch uralte Kamellen. Ich dachte, du sprichst über Literatur.“
Meine Gegenfrage: „Was ist denn Literatur für dich: Poesie mit einem rosaroten Mascherl?“
Ja, liebe Leute, wen interessiert das, wenn man über eine Frau spricht, die sich dem Willen eines mächtigen Landeshauptmannes entgegengestemmt hat, um das Naturschutzgebiet Neusiedlersee zu retten?
Wen interessiert es, dass mehr als 10 Jahre später die Antiterrortruppe Cobra in Hainburg einmarschiert ist und die Umweltschützer mit Schlagsstöcken verprügelt hat?
Nur mich, weil ich Hainburger-Au-Veteranin bin? Bin ich die einzige, die das interessiert? Habe ich gestern nur einen Ego-Tripp veranstaltet?
Nein, Literatur ist Kampf. Das hat uns Klara Köttner-Benigni vorgelebt. Ich habe den Mann dann gefragt, ob er der Meinung sei, dass wir auch nicht mehr über die Gräuel der Hitler-Zeit schreiben sollen? Ist ja auch etwas Uraltes, habe ich provokant gesagt. Da wurde er kleinlaut: „Nein, natürlich nicht.“
Also, ich persönlich will mehr als Autorin, mehr als nur Weihnachtslieder singen und die Menschen in eine Heile-Welt-Stimmung versetzen. Ich will aufrütteln: Ich will sagen, wenn wir alles nur hinnehmen, wie es kommt, dann hätten wir heute eine mit einer Brücke überbauten Neusiedlersee und ein Wasserkraftwerk in der Hainburger Au. Gut, es ist sehr unwahrscheinlich, dass wir uns nochmals an Bäume ketten müssen, um die Abholzung zu verhindern. Und die Cobra wird auch nicht mehr auf harmlose Umweltschützer einprügeln. Aber wenn wenn wir uns als Schriftsteller nicht sehr rasch auf die Beine stellen und laut „Nein“ schreiben, dann werden wir bald in einem rechtspopulistischen menschenfeindlichen Europa leben müssen. Literatur ist Kampf: Das wollte ich gestern sagen, als ich über Klara Köttner-Benigni sprach.

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Freitag, 24. November 2017, 18:00 Uhr

Literaturtage Salzburg 2017

ARGEkultur gemeinnützige GmbH, Ulrike-Gschwandtner-Straße 5, 5020 Salzburg

Gespräch mit Julia Gsertz und Buchpräsentation „Grenzräume. Eine literarische Spurensuche im Burgenland“ edition lex liszt 12

Beitragsbild: Grenzraum am Neusiedler See im Winter