HAIKU UND LICHT von 20.–22. Oktober 2020

HAIKU UND LICHT im PFERD– Forum für zeitgenössische Kunst
Medwedweg 3, 1110 Wien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

KUNST – Fotografie – Diaprojektion
Milica Balubdžić – Pille-Riin Jaik – Rosa John – Hyeji Nam

LITERATUR – Musik
Franz Dodel
Bernadette Haller – Martin Kubaczek & Elisabeth Eppensteiner

MUSIK – Rezitation
Yamato Moritake & Beatrice Simonsen 

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PROGRAMM

Dienstag, 20. Oktober  19 Uhr
Eröffnung der Dia-Installation
Gespräch mit dem Autor sowie
Lesung von Franz Dodel aus “Nicht bei Trost. A never ending Haiku”

“gut möglich dass auch ich zu / gewissen Zeiten / ein wenig leichter werde / sicher bin ich nicht / verlässlicher dünkt mich sei /ab und an einen / Baum zu umarmen an ihm / sich festzuhalten / wenn ein Wachstumsschub ihn drängt /aufwärts zu streben”
(aus: Franz Dodel Nicht bei Trost. Sondagen, Zeilen 42544 – 42553)

Franz Dodels einzigartiges Endlos-Poem »Nicht bei Trost« ist inzwischen auf mehr als 40 000 Verse angewachsen. Seit 2002 arbeitet der Autor täglich an einem sich wie von selbst fortspinnenden Textgewebe, das sich nicht an Ende, Ziel und suspekten Trostangeboten orientiert, sondern an der Offenheit schweifender Reflexion und sinnlich genauer Betrachtung. Durch den ruhigen rhythmischen Wortstrom fügen sich die Fülle von Dodels Bildern und Zitaten, biografische Erinnerungsbruchstücke und Naturbetrachtung zu einer leicht­füßigen Meditation über Gott, die Welt und das Ich. Sechs Bände sind in der Edition Korrespondenzen erschienen.

Mittwoch, 21. Oktober  19 Uhr
Dia-Installation
Lesung mit Musik “ein fetzchen mond”
Liesl Eppensteiner & Bernadette Haller & Martin Kubaczek

“ein fetzchen von mond / vom kleid der nacht geblieben / der tränenärmel
im alten jahr verweht / bei sonnenaufgang im schnee / die kleine feder” (aus: Bernadette Haller Hinter der Brille)

Am Anfang war die Trennung: der Logos als Fähigkeit der Unterteilung in Eigenschaft, Charakter, Differenz, die Suche nach den Qualitäten in ihrem schlichten wie umfassenden Ursprung, hell und dunkel, flüchtig und fest, gebunden und gelöst.
In elf Einheiten, Konzeptstücken, folgen wir dem Jahres-Zyklus der Haikus, einzeln und in Gruppen, in Versuchen der Entsprechung: Der Gong öffnet den Raum, die Sprache setzt den Impuls, die Bilder gleiten im Hintergrund, die Geige reagiert, nach dem Tanz-Impuls von pose und repose, Bach-Solosonaten werden angespielt und verklingen, knistern und schwingen, evozieren und umspielen ein Kinderlied, ein Stimm-Trio aus Flüstern und Magie, trockene Bartok-Pizzicati, ein Lacrimoso von Mozart, eine Serenade von Boccherini – und das alles folgt dem Organon der Sprache, dem Atmosphärischen und dem Imago, der weichen Semantik, klang- und geräuschhaft, mal rhythmisch, mal asynchron, aus sich heraus, klärt, probiert, kommuniziert. (M.K.) Liesl Eppensteiner Flöte und Gong, Bernadette Haller Haiku, Martin Kubaczek Geige und Spielzeug

Donnerstag, 22. Oktober 19 Uhr
Dia-Installation
Yamato Moritake am Kontrabass
mit Musik aus Japan, von Johann Sebastian Bach und Annachiara Gedda
Klassische und moderne Haiku gelesen von Yamato Moritake & Beatrice Simonsen

“Am Grund des Wassers / Legt auf die Felsen sich still / Das Laub der Bäume.” (Jôsô)
“Von der Regenzeit
 / Blieb doch unangetastet
 / Die Halle des Lichts.” (Martin Kubaczek)

Yamato Moritake, der als Kontrabassist im Radio Symphonie Orchester Wien tätig ist, gibt Musik aus Japan und Europa zum Besten und rezitiert ausgewählte Haiku des bedeutenden Dichters Matsuo Bashô. Diese Auswahl verknüpft er mit der Biographie von Johann Sebastian Bach, von dem er zwei Sätze aus der Cello-Suite Nr. 1 spielen wird. Eingerahmt werden die beiden Meister ihres Fachs von japanischen Volksliedern zu Beginn und einem zeitgenössischen Stück der italienischen Komponistin Annachiara Gedda zum Abschluss – sie bilden die Pole Tradition und Moderne, Japan und Europa.

Bei der deutschen Lesung handelt es sich nicht um Übersetzungen der auf Japanisch gelesenen Haiku, sondern um Beispiele aus mehreren Jahrhunderten bis heute. Sie zeigen die beständige Fortdauer der Gedichtform Haiku, nun im lebendigen Austausch zwischen Sprache, Musik und Bild.

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WIR BITTEN UM ANMELDUNG ZUM BESUCH DER VERANSTALTUNG UNTER DER FOLGENDEN EMAIL-ADRESSE: respiratoiremaeandra@gmail.com

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zu Beginn jeden Abends erläutert Johan Nane Simonsen das Projekt. Thema der Veranstaltung ist die Gedichtform Haiku und die mediale Verbindung von Poesie und Fotografie. Dazu entwickelten vier in Wien lebende Künstlerinnen Fotoserien für Diaprojektoren, die sich an der Struktur des Haiku orientieren. Die an die Wände des abgedunkelten Ausstellungsraums projizierten Foto-Haiku verbinden sich zusammen mit Musik und Lesungen zu einer flüchtigen, installativen Situation, sichtbar nur im Rahmen der drei Veranstaltungsabende.

Idee, Konzept, Organisation: Johan Nane Simonsen (Kunst) & Beatrice Simonsen (Literatur)

Mit freundlicher Unterstützung von:
Bundesministerium für Kunst, Kultur, Öffentlichen Dienst und Sport
Kulturamt der Stadt Wien
Österreichisch-Japanische Gesellschaft
Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung

Informationen zu den Teilnehmer_innen finden Sie unter den folgenden Links:

Milica Balubdžić

Pille-Riin Jaik  

Rosa John 

Hyeji Nam

Franz Dodel

Yamato Moritake wurde in Fukuoka, Japan geboren. Seit November 2018 er ist Mitglied des Radio Symphonie Orchesters Wien und Lehrer bei der Landesmusikschule Grein.
Nach den Studien an der Universität für Musik und darstellende Kunst Tokio und Hochschule für Musik und Theater München schloss er ein Masterstudium an der Anton Bruckner Privatuniversität Linz mit Auszeichnung ab.
Er war Stipendiat von Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Yamaha-Foundation und Yu-International Foundation. Er erhielt den ersten Preis sowie Fuka-Sonderpreis beim Simandl International Wettbewerb 2014. Als Solist trat er mit dem Johann Strauss Ensemble Linz auf.
Während er von 2012 bis 2018 im Brucknerorchester Linz tätig war, bei dem er 2018 eine Anstellung als Stimmführer bekam, organisierte er regelmäßig Benefizkonzerte mit Caritas für Menschen in Not.
Seine Lehrer waren Osamu Yamamoto, Yoshio Nagashima, Naoto Nishida, Heinrich Braun und Anton Schachenhofer. Für weitere Anregungen bedankt er sich bei Herbert Mayr, Günter Klaus und Philipp Stubenrauch.
Als Mitwirkender der Staatsoper Wien, der Staatskapelle Dresden, von: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Münchener Kammerorchester, Niederösterreichisches Tonkünstlerorchester, Tokio Philharmonic, New Japan Philharmonic, Yomiuri Symphonieorchester, Tokio Stadt Symphonieorchester, Sapporo Symphonieorchester und Japan Kammerorchester spielte er in Österreich, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, USA, Russland, Japan, Südkorea, China, Bulgarien, Rumänien, in der Schweiz und der Türkei.
Neben seiner Beschäftigung als Kontrabassist trat er als E-Bass Solist im Goldenen Saal des Musikvereins Wien unter der Leitung von Dennis Russell Davies mit dem Bruckner Orchester Linz auf.

Foto oben © Milica Balubdžić – Foto Mitte © Pille Riin Jaik – Foto unten © Rosa John