7. April 2018 Kunst und Literatur im Burgenland

WERKSTATTGESPRÄCHE

mit einer AUSSTELLUNG von TONE FINK
und einer LESUNG mit KARIN IVANCSICS

Musik: Clemens Frühstück
Moderation: Beatrice Simonsen

Samstag, 7. April 2018 um 15 Uhr
im ehemaligen Gasthaus Jakob Grafl
Baumgartner Str. 2, 7022 SCHATTENDORF

Eintritt frei!

Gasthaus Schattendorf

„Kunst und Literatur im Burgenland“ präsentierte WERKSTATTGESPRÄCHE mit dem bildenden Künstler TONE FINK und der Autorin KARIN IVANCSICS. In den Gesprächen mit BEATRICE SIMONSEN wurde auf das spezielle Schaffen der beiden Protagonist_innen eingegangen und die Hintergründe ihrer künstlerischen Arbeit beleuchtet.

Der ORF Burgenland berichtete über die Veranstaltung:

Der aus Vorarlberg stammende Zeichner, Maler, Objektemacher, Performance- und Filmkünstler Tone Fink hat nicht nur in Wien, sondern auch in Schattendorf  eine Wahlheimat gefunden. Das nunmehr in seinem Besitz befindliche ehemalige Gasthaus Jakob Grafl – ein zum Kunstort umfunktioniertes Lokal, das bereits seit einigen Jahren von jungen Kunstschaffenden genützt wird – ist ein Ort, der ihm die Freiheit und den Raum für neue Ideen gibt. Der Allrounder, dessen Leidenschaft die Arbeit mit Papier in allen seinen Formen ist, zeigt großformatige Künstlerbücher, Zeichnungen und Objekte aus Papier und erzählt von seiner Arbeit.

Die großteils in Wien lebende Burgenländerin Karin Ivancsics publizierte bisher zahlreiche Romane und Erzählungen immer am Puls der Zeit. Themen wie Kindheit, Aufwachsen, Grenzen, Feminismus und Gesellschaftspolitik beschäftigen die engagierte Autorin. Ihre besondere Affinität zur Kunst besteht darin, dass sie mehrere ihrer Publikationen mit eigenen Zeichnungen illustrierte. Auch spielt der Kunstbetrieb in manchen ihrer Werke eine besondere Rolle und das Publikum hat nun die besondere Gelegenheit im Gespräch mit Beatrice Simonsen mehr über speziellen Arbeitsweisen der Autorin und über ihre persönlichen Lebensbedingungen zu erfahren – Anekdotisches und Humorvolles nicht auszuschließen. Gemeinsam mit ihr lesen wir “zwischen den Zeilen”.

Wir freuen uns, dass der Saxophonist CLEMENS FRÜHSTÜCK, der in Eisenstadt beheimatet und in vielen unterschiedlichen Formationen tätig ist, die Veranstaltung musikalisch begleitet.

Konzept und Organisation: Beatrice Simonsen

Die Veranstaltung findet im Rahmen des GAV Burgenland-Projektes “Zwischen den Zeilen” und „Burgenland liest 2018!“ sowie in Kooperation mit Katharina Fink statt. Mit freundlicher Unterstützung der Kunstsektion des BKA und der Grazer Autorinnen Autorenversammlung.

Informationen zu den Mitwirkenden und zur Anreise:

TONE FINK

Tone Fink

 

 

 

 

geboren 1944 in Schwarzenberg, Vorarlberg, Österreich. Lebt und arbeitet in Wien, Vorarlberg und Schattendorf. Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien. Zeichner, Maler, Objektemacher, Performance- und Filmkünstler.

Auszeichnungen: Preis der Stadt Wien für Bildende Künste, Ehrengabe des Landes Vorarlberg für Kunst, Auszeichnung bei Handwerk und Form, Bregenzerwald, Konstanzer Kunstpreis

Einzelausstellungen (Auswahl): Albertina, Secession und Museum moderner Kunst in Wien; Rupertinum, Künstlerhaus, Neue Galerie der Stadt Linz; Museumsgalerie Bozen; Galerie Nothelfer, Berlin; Galerie Holtmann, Köln; Stampa, Basel; Galerie Lang,Wien; Galerie Heike Curtze, Wien Gallery Ishikawa, Tokio; Gallery Aoi, Nagoya; C. Art Galerie, Dornbirn; Galerie am Lindenplatz, Vaduz; Kunsthaus Bregenz, Vorarlberg; MAK-NITE und Textilausstellung, Wien usw.

Bücher (Auswahl): „Zwischen den Bildern”, Edition Splitter Wien; „Sehstücke” und „Strichfindlinge”, Rainerverlag Berlin; „PandÄmonium” und „Maikäferdompteur”, Edition Freibord Wien und Nothelfer Berlin; „Telefonbuch”, Museum mod. Kunst Wien; „Zeitrisse”, Albertina Wien

Kunstfilme (Auswahl): „Narrohut”; “Katijubato;” „Aus der Luft gegriffen”; „Roll Over”(Biennale Kairo)

Zahlreiche Aktionen und Performances bei internationalen Festivals, wie z. B. beim Steirischen Herbst, bei den Bregenzer Festspielen, den Wiener Festwochen, zuletzt: 2008 Museum der Moderne, Salzburg, (Max Ernst u. die Welt im Buch), 2010 Kunstverein Konstanz, 2016 „Zeichnung in den Raum“, Traklhaus Salzburg. 

CLEMENS MARIA FRÜHSTÜCK

Clemens Quadrat

 

 

 

 

geboren 1972 in Eisenstadt, erhielt seine musikalische Ausbildung an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz bei Peter Straub, Hannes Kawrza, Karl Drevo, Karlheinz Miklin und Heinrich von Kalnein. Er besuchte Meisterklassen bei Eugené Rousseau, Arno Bornkamp, Markus Weiss und Oto Vrhovnik.

Clemens Frühstück ist Mitbegründer des Saxophonquartetts Saxquadrat sowie des Ensemble Zeitfluss, einem Kammermusikensemble für die Musik des 20. Und 21. Jahrhunderts. Als Solist tritt er mit seiner Schwester Clara Frühstück am Klavier auf. Seine künstlerischen Projekte führten Clemens Frühstück als Solist und Kammermusiker zu zahlreichen internationalen Konzerten (Japan, China, Frankreich, Italien, Ungarn, Kroatien, Bosnien, Albanien) sowie zu grossen Festivals der Neuen Musik (Steirischer Herbst, Musikprotokoll, Wien Modern, Musikbiennale Zagreb).

KARIN IVANCSICS

Ivancsics 5

 

 

 

 

geboren 1962 in St.Michael/Burgenland, aufgewachsen in Deutsch Jahrndorf. Studium der Germanistik, Romanistik, Publizistik in Wien. Seit 1994 freie Schriftstellerin, schreibt Lyrik, Erzählungen, Romane, Theaterstücke und Essays. Sie lebt in Wien und im Burgenland.

Tätigkeiten (Auswahl): Organisation und Programmgestaltung von Literaturveranstaltungen: alljährlich In Memoriam – SchriftstellerInnen lesen Texte verstorbener KollegInnen im Literaturhaus Wien für die Grazer Autorinnen Autorenversammlung; Literarische Grenzgänge Kittsee (Zweisprachige Lesereihe); Workshops an ungarischen Hochschulen; Sommerakademie Zakynthos;  2013/14/15 Künstlerische Leiterin der Sommerakademie Kittsee.

Auszeichnungen und Stipendien (Auswahl): Aufenthaltsstipendium des Senats im Literarischen Colloquium Berlin, Hertha-Kräftner-Preis (gemeinsam mit Andreas Okopenko), Erster Preis für Bühnenstücke des Landes Burgenland (2001), Literaturpreis des Landes Burgenland (2004), Wiener Autorenstipendium, Österreichisches Staatsstipendium, 2015/16 Projektstipendium des BKA, 2017/18 Stipendium der Literar Mechana.

Publikationen (Auswahl): 1989 Frühstücke, Kurzgeschichten, Wiener Frauenverlag; 1990 Panik, Novelle, Fama Verlag; 1995 Durst!, Wiener Frauenverlag; 1996 Aufzeichnungen einer Blumendiebin; 1999 Wanda wartet, Ein Triptychon, Ritter Verlag, Klagenfurt – Wien; 2005 Süß oder scharf, Ein Tag im Leben einer Taugenichtsin, Novelle; 2008 Anna hat zwei Tage, Vom Mutterglück und anderen Umständen, Erzählungen; 2011 Restplatzbörse, Roman, Bibliothek der Provinz, Weitra; 2015 Aus einem Strich die Landschaft, Essays, Edition Lex Liszt 12.

Mitglied des Literaturkreises Podium, Regionaldelegierte der Grazer Autorinnen Autorenversammlung Burgenland, Präsidiumsmitglied der Erich Fried-Gesellschaft. 

ANREISE:

Schattendorf erreichen Sie von Wien aus mit dem Auto am besten über die A3. Mit der Bahn von Wien aus Richtung Deutschkreutz (Station Baumgarten/Schattendorf) ca eine Stunde Fahrt und 20 min Gehzeit.

GASTRONOMIE und MUSEUM:

Einige gemütliche Gasthäuser (der Landgasthof Grafl in der Mattersburger Straße 2, Johann Reichl am Kräftenweg 2 und der Sonnenhof in der Fabriksgasse 35) erwarten Sie!

Schattendorf hat sich im Zusammenhang mit dem Wiener Justizpalastbrand 1927 ins historische Gedächtnis Österreichs eingebrannt, da die “Schattendorfer Schüsse” unmittelbare Auslöser für dieses Ereignis waren. In der sehenswerten “Schuhmühle”, einer prächtig renovierten Getreidemühle, die heute als Museum und Kulturzentrum dient, finden Sie eine Dokumentation dieses Vorfalls (Am Tauscherbach 1, Samstag geöffnet von 9 – 12 Uhr).

Fotos: © Bilder der Veranstaltung am 7.4.2018 Dirk Simonsen und Paul Ritter (2), Katharina Fink (ehemaliges Gasthaus Jakob Grafl)

Beitragsbild: © Tone Fink Zeichnung 09/010 o.T. (Ausschnitt)

 

 

 

 

 

14. Juni 2018 Fest und Lesungen in Eisenstadt

 

Mit vielen Lesungen und Musik werden 45 Jahre GAV auch im Burgenland gefeiert!
Ab 18.30 Uhr im Pulverturm in Eisenstadt!

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EINLADUNG ZU 45 Jahre GAV

Ein Fest mit Lesungen und Musik

In Kooperation mit dem Verlag lex liszt 12

Begrüßung: Petra Ganglbauer

Lesungen:

Gerhard Altmann, Christl Greller, Klaus Haberl,
Mechthild Podzeit-Lütjen, Beatrice Simonsen, Susanne Toth

Moderation: Karin Ivancsics

Musik: Mike Bench und „Schilfgürtel“

Donnerstag, 14. Juni 2018, 18:30 Uhr

im Pulverturm, Lionsplatz 1, 7000 Eisenstadt

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Im Jahr 1973 wurde Österreichs größte Literaturvereinigung, die Grazer Autorinnen Autorenversammlung (GAV) – mit zurzeit ca. 700 Mitgliedern – als Gegenpol zum PEN-Club gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern zählen u. a. so bedeutende Autorinnen und Autoren wie Friedrich Achleitner, H. C. Artmann, Wolfgang Bauer, Barbara Frischmuth, Peter Handke, Ernst Jandl, Friederike Mayröcker und Gert Jonke. Auch bildende KünstlerInnen wie Günther Brus, Valie Export und Hermann Nitsch waren darunter.

Die Grazer Autorinnen Autorenversammlung hat es sich seit ihrem Bestehen zur Aufgabe gemacht, einerseits die Verständigung und Kooperation von Autorinnen und Autoren zu fördern und andererseits auch jenen literarischen Strömungen und Verfahrensweisen Raum zu geben und Beachtung zu schenken, die sich abseits des großen Marktes finden.

Anlässlich unseres 45jährigen Bestandsjubiläums und dem Schwerpunktjahr „Burgenland liest“ entsprechend laden wir zu einem Fest mit Lesungen und Musik, in dem wir auf die Vielfalt hervorragender burgenländischer GAV-AutorInnen hinweisen.

In einer bunten Mischung stellen wir 6 Mitglieder/AutorInnen vor, die ihre Bücher im burgenländischen Verlag lex liszt 12 veröffentlicht haben und die Auszüge aus ihren Werken lesen werden: Gerhard Altmann, Christl Greller, Klaus Haberl, Mechthild Podzeit-Lütjen, Beatrice Simonsen und Susanne Toth.

Begleitet und umrahmt werden sie dabei von dem Gitarristen Mike Bench.

Im Anschluss an die Lesungen gibt es ein Konzert von „Schilfgürtel“, deren CD ebenfalls bei lex liszt 12 erschienen ist.

(Pressetext von Karin Ivancsics, Regionaldelegierte der GAV Burgenland)

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BIOGRAFIEN DER BETEILIGTEN AUTOR_INNEN 

Gerhard Altmann, 1966 geboren, lebt in Pöttsching. Er studierte Germanistik und Publizistik und schrieb seine Diplomarbeit über die burgenländische Dichterin Hertha Kräftner. Seit 1991 ist er freier Journalist und Autor, seit 2000 Pressesprecher der Energie Burgenland. Zahlreiche Bücher, u. a.: hianungraud, Dialektgedichte (2001), Grenadiermasch, Texte und Gedichte (2008), wörterberg (2010), heazdregg und hianungraud (edition lex liszt 12, 2016). 

Christl Greller – Geboren 1940 in Wien, seit 56 Jahren Schwiegerburgenländerin. 6 Lyrikbände, 3 Erzählbände, 1 Roman (zwei davon in burgenländischen Verlagen). Texte in unzähligen Zeitschriften, auch “Pannonia” und “Pannonisches Jahrbuch”. Zahlreiche Lesungen in Literaturzentren wie Literaturhaus Mattersburg, OHO, Gerbgruben, Altes Kloster Lockenhaus…, Lyrik-und Prosa-Sendungen in Radio Burgenland. 2 burgenländische Lyrikpreise. Publikumspreis bei den ORF und TELETEXT “Schirmgedichten” 2017.

Klaus Haberl – Geboren 1957. Großeltern und Mutter aus Kobersdorf. Freier Schauspieler, Autor und Regisseur. Schreibt Lyrik und Dramatik. Nestroypreis für die Uraufführung seines Stückes “Hain” 2001/Nominierung zum Literaturpreis “Irseer Pegasus”, 2010; Veröffentlichungen: “Ein Zimmer hinaus, in dem ich wohne”, Gedichte, edition lex liszt 12 (2010),”mars versus venus”, Gedichte und Sounds, edition zeitzoo Wien, 2015, “Auf den Treppen der Erde”, Gedichte, edition lex liszt 12 (2015).

Mechthild Podzeit-Lütjen – Lebt und arbeitet in Wien und im Seewinkel. Zahlreiche Preise; mehrere Reisestipendien nach Kuba. Zahlreiche Publikationen, zuletzt: Perseus oder das Unvorhergesehene. Hörbuch, 2013. Welch eine liebe. lex liszt 12. Oberwart. 2016. Studium der Deutschen Philologie. Sponsion 2015. Studienreisen nach Ägypten, Rom, Israel, Kanada, New York.

Beatrice SimonsenGeboren 1955 in Wien, aufgewachsen im Burgenland. Studium der Romanistik und Kunstgeschichte, Dr. phil. Literaturkritikerin und Autorin. Seit 2013 Konzipierung und Organisation von Projekten für „Kunst und Literatur“ vorwiegend im Burgenland. Publikationen: 2005 “Grenzräume. Eine literarische Landkarte Südtirols” (HG.), 2015 „Grenzräume. Eine literarische Spurensuche im Burgenland“ (HG.), edition lex liszt 12, 2016 Erzählung in „Behaust“ (HG. K. Tiwald) u.a.

Susanne Toth – Geboren in Lockenhaus, lebt und arbeitet in Wien. Poetin, Autorin, Sprecherin. 1993 – 2000 Mitarbeit an der schule für dichtung in wien. Seit 1999 kontinuierlich Lesungen und Text-Performances (mit improvisierter Musik) im In- und Ausland. Einzelpublikationen Buch, Hörbuch sowie Veröffentlichungen in Anthologien, Literaturmagazinen, Radio, online. Zuletzt erschienen: in: “71 Oder Der Fluch der Primzahl” (Edition Marlit, 2017). in: “BEHAUST. Menschen unter Dach im Burgenland” (Edition Marlit, 2016). in: “denk*mal” – [kunstwerk] krastal, Katalog (Wien, 2016).

Einleitung: Petra Ganglbauer Geb. 1958 in Graz. Lebt als freiberufliche Autorin und Radiokünstlerin in Wien und im Burgenland. Präsidentin der Grazer Autorinnen Autorenversammlung/GAV. Bücher, zuletzt: Wie eine Landschaft aus dem Jahre Schnee, Bibliothek der Provinz (2017). Im Frühjahr 2018 erscheinen „Zur Lage“, Edition Art Science und „Mit allen Sinnen“, edition Keiper.

Moderation: Karin Ivancsics – Geboren 1962 in St. Michael, aufgewachsen in Deutsch Jahrndorf. Lebt als freie Schriftstellerin in Wien und im Burgenland. Regionaldelegierte der GAV Burgenland, Präsidiumsmitglied der Erich Fried-Gesellschaft. Im Herbst 2018 erscheint ihr neuer Roman „Die Gastgeberin“ in der Bibliothek der Provinz.

 

Portrait der Steinbildhauerin Anna Kubach-Wilmsen

„Das Meer ist blau, in Wirklichkeit spiegelt es nur das Blau des Himmels. Der Himmel ist blau, in der Realität spiegelt er nur das Blau der Erdentiefe und des Universums. Blauer Granit ist wirklich blau.“ Kubach-Wilmsen

 

Bad Münster am Stein

Mein Besuch am 1. Dezember 2017 galt der Steinbildhauerin Anna Kubach-Wilmsen in ihrem Domizil in Bad Münster am Stein, einem traditionellen Kurort in Rheinland-Pfalz. Die kleine Stadt liegt am Fuße der Ebernburg im deutsch-französischen Grenzland, umrahmt von Wäldern und Weinbergen, sowie von den Felsmassiven des Rheingrafenstein und des Rotenfels an der Nahe. Seit 1965 lebt und arbeitet Anna Kubach-Wilmsen hier – bis zum Tod ihres Mannes Wolfgang Kubach 2007 zusammen mit ihm. 1998 begannen sie mit der Planung eines Steinskulpturenmuseums mit Park, das schließlich 2010 eröffnet wurde: die Fondation Kubach-Wilmsen http://www.fondation-kubach-wilmsen.de

Die Beschäftigung mit den Bildhauerinnen, die in den 1960er und -70er Jahren in St. Margarethen im Burgenland an den Internationalen Bildhauersymposien teilgenommen hatten, verlockte mich zu einem Besuch der immer noch überaus aktiven Künstlerin. Es war mir ein Anliegen, über meine Arbeit an einem literarischen Text – einer Collage aus Fiktion und Dokumentation – hinauszugehen und mehr über die Realität zu erfahren.

Ab 1972 verbrachte Anna Kubach-Wilmsen zusammen mit ihrem Mann und künstlerischen Partner Wolfgang Kubach einige Sommer im Bildhauerhaus in St. Margarethen. Gemeinsam mit rund fünfzehn anderen Bildhauer_innen arbeiteten sie auf Einladung und nach einer Idee von Karl Prantl am „Stephansplatz-Projekt“ mit. Hierbei ging es um die Neugestaltung des Platzes rund um den berühmten Wiener Dom mittels Steinplatten aufgelassener Gräber aus dem Altsteinlager der Stadt Wien. Das internationale Künstlerkollektiv bestand unter anderen aus Hiromi Akiyama, Maria Biljan-Bilger, Makoto Fujiwara, Hannes Haslecker, Leo Kornbrust, Milena Lah, Wolfgang Laib, Janez Lenassi, Gero Müller-Goldegg, Franz Xaver Ölzant, Paul Schneider und Ebina Shigeharu (siehe auch http://www.bildhauerhaus.at/geschichte/kuenstlerinnen.html). Dieses Projekt hatte Potential für die Ewigkeit und scheiterte doch vorzeitig. Nichts desto trotz war die Zusammenarbeit mit Karl Prantl, die sich über Jahre fortsetzte, für Kubach-Wilmsen ein wichtiger Teil ihrer eigenen künstlerischen Entwicklung, da sie ein tiefgehender, meditativer Zugang zur Materie Stein einte.

Klagemauer

Klagemauer 1978-84

Bei meinem Besuch Anfang Dezember ist es klirrend kalt, erster Schnee kündigt sich an und ein scharfer Wind weht über den Skulpturenpark. Dennoch lässt es sich Frau Kubach-Wilmsen nicht nehmen, mich aufs Wärmste zu empfangen und mir einige der Skulpturen im Park zu zeigen und mich persönlich durch das Museum zu führen. Das Skulpturenmuseum, das der japanische Architekt Tadao Ando mit großem Sinn für Ästhetik vor die im Gegenüber aufragende Wand des Rotenfels setzte, beherbergt einen Großteil des Lebenswerks der Bildhauerpaars Kubach-Wilmsen. Hierfür wurde ein regionaltypisches Fachwerkhaus in seiner Struktur erhalten, die ursprünglich gemauerten Flächen wurden verglast, wodurch viel Licht auf die Kunstwerke fällt und eine große Luftigkeit entsteht. Vor dem Gebäude liegen zwischen Wasser und Kies steinerne Gebilde, umfriedet von einer durchbrochenen Mauer aus schmucklosem Beton, die Leichtigkeit suggeriert und den Blick der Besucher auf die vielen Skulpturen konzentriert. Ein Leben lang arbeitete das Paar in enger Gemeinsamkeit an diesen Werken.

Wolfgang Kubach begann als Maler an der Akademie der Bildenden Künste in München, wo er Anna Wilmsen kennenlernte, die dort 1959 ihr Studium der Bildhauerei aufnahm. Sie heirateten 1962, bekamen vier Kinder und ließen nicht davon ab, sich forthin der Steinbildhauerei zu widmen. Bei einem ersten Auftrag, den Anna Wilmsen – als Meisterschülerin von Josef Henselmann – für die Gestaltung eines Altars bekam, fanden die beiden als Team zueinander. „Wir waren ja zwei smarte Studenten mit so feinen, langen Fingern und dachten, wir wären schon Künstler …“ erzählt Anna Kubach-Wilmsen lachend bei der Erinnerung an ihre Anfänge. Die schwere Arbeit am Stein, die Verhandlung mit Steinbruchbesitzern, den Umgang mit großen Geldsummen für wertvolle Steine – all das musste erst einmal erfahren und gelernt werden, auch wenn man sich schon an vielen Entwürfen und anderen Materialien während des Studiums erprobt hatte. Auch die Hilfsbereitschaft von kräftigen und praktischer veranlagten Steinbrucharbeitern, die die jungen Studenten mitleidig beobachtet hatten, lernten die beiden zu schätzen. Im Austausch gegen einige Kisten Bier halfen diese tatkräftig mit, wenn es darum ging, erst einmal die Grundform frei zu schlagen. Mit der Anschaffung von teurem Werkzeug, der Organisation von Winden, Kränen und Lastwägen für die Steintransporte fanden die beiden „68er“ erst nach und nach Eingang in die Welt der Steinbildhauerei. „Wir dachten ja wie alle Studenten damals, dass alle Großunternehmer bloß Halsabschneider wären! Aber von wegen: Das waren die Steinbruchbesitzer, die uns überhaupt auf den Weg gebracht haben!“ Der Stein wurde bald zur Leidenschaft: „Es war nie Material für uns, sondern Materie.“ In Bayern, in der wunderbaren Landschaft mit Blick auf die Alpen ging es nicht nur darum, eine im Geiste erdachte Form aus dem Steinblock zu hauen. Die jungen Leute fühlten und tasteten nach dem, was der Stein nur langsam freigab und offenbarte: seine ganz individuelle Geschichte und somit auch die Geschichte der Erde schlechthin.

Steinkokons

Steinkokons 2011/12

Später sollte das Paar um die halbe Welt – immer auf der Suche nach dem richtigen Stein – reisen, brachte Steine aus einem im Urwald versteckten Steinbruch in Brasilien mit oder kaufte diese auf Steinmessen: „Der millionenfache Schleifgang, Stein um Stein, hinterließ in der Ebene Brasiliens überdimensionale trockene Flusstäler mit geschliffenen Steinen. An der Oberfläche lagern die Findlinge frei, in der Tiefe sind sie eingebunden in ein neues Sediment, härter als Granit. Schon Darwin hat in seinen Reisenotizen die ungewöhnlichen Steinvorkommen im Inneren des Landes beschrieben. Er bezeichnete diese als Steinflüsse in der Landschaft. Noch ahnte er nicht, was in der Tiefe der Steinflüsse entstanden war, ein Konglomerat aus ganz Süd-Amerika.“ (Zitat aus dem Katalog „Steinkokon“ von A K-W) Heute liegen Steine aus aller Welt behauen und geschliffen auf der heimatlichen Pfälzer Erde, als Kokons, in denen unser aller Urzeit eingeschlossen ist, als Steinbücher, in denen die Erdgeschichte zu lesen ist, und als Tore und Brücken zu anderen Erdteilen.

In den nachfolgend zitierten Gesprächsauszügen erzählt Anna Kubach-Wilmsen auf meine Bitte von ihren Anfängen, um etwas von der Stimmung der Zeit und ihrer Motivation für ihren Beruf nachzuspüren.

Anna Kubach-Wilmsen und Beatrice Simonsen

WIE FRAU BILDHAUERIN WIRD

Beatrice Simonsen: Wie waren denn Ihre Anfänge als Bildhauerin in den 1960er Jahren? Sie begannen ja Ihr Studium 1959 an der Akademie der Bildenden Künste in München … 

Anna Kubach-Wilmsen: Wir waren ungefähr 54 Studenten und fünf davon waren Frauen. Es gab da einmal so eine Diskussion unter den Studenten, warum der Professor – es war Josef Henselmann – denn diese Frauen in die Klasse aufgenommen hätte. Da sagte er: „Na damit ihr was zu heiraten habt!“ (Sie lacht.) Das war die Situation der Frau damals in München. Und später hat er mich zu seiner Meisterschülerin gemacht.

Und Sie haben wirklich einen der Kollegen geheiratet!

Ja, aber der war kein Bildhauer, er war Maler. (Sie lacht.) Er war gar nicht in unserer Klasse, aber er kam immer zu uns. Schließlich hat der Professor so ein bisschen geguckt und gefragt, was er denn hier täte? Er sagte: „Arbeiten!“ Und der Professor darauf: „Gut, dann machen Sie mal so weiter.“ Also er hat nie gesagt: „Sie gehören nicht hierher.“ Der hat das positiv gesehen, dass wir beide miteinander arbeiteten.
Ich bekam dann mein eigenes Meisterschüleratelier – ich hab wirklich viel gearbeitet, das musste ich zuhause am Bauernhof (Anm: Anna Kubach-Wilmsen stammt aus dem Kreis Kleve am unteren Niederrhein) ja auch – und das hat den Professor gefreut. Ich weiß noch, es war an einem Samstag um acht Uhr morgens, als er kam und von seinen Studenten vielleicht nur drei oder fünf anwesend waren. Da hat er uns angeschrien: „Ja wollt ihr denn Beamte werden?“ – so ungefähr – „Ein Bildhauer, der muss Tag und Nacht arbeiten! Aber das hier ist ein Bankrott! Aus euch wird nie was. Bildhauer, Künstler sein bedeutet 99 % Fleiß und 1 % Begabung.“ Dann lief er davon und wir standen da: 99 % Fleiß und 1 % Begabung! (Sie lacht.) Wir waren erschüttert! Aber es war komisch, wir konnten das den anderen dann gar nicht so richtig sagen. Als die Klasse wieder halbwegs gefüllt war, erzählten wir es wohl, aber die dachten natürlich: „Was wollen die denn, wovon reden die überhaupt? Samstag, Sonntag fährt man doch in die Berge …“

Und wie sehen Sie das heute? Hat er recht gehabt?

Also ich muss sagen, ohne Fleiß im Steinbildhauerberuf fallen Sie durch’s Sieb. Das geht nicht. Der Beruf ist so arbeitsintensiv, dass sogar das PR darunter leidet. Das war bei Karl Prantl doch anders, weil er immer seine Frau Uta hatte, die ihm den Rücken frei hielt. Aber wir zwei, Wolfgang und ich, wir haben geschuftet wie am Ende der Welt. Die Pfälzer waren ohnehin immer das ärmste Volk in Deutschland. Wir mussten uns immer zu den Ostländern zählen. Als ich in den 1960ern hierher kam, da haben die Leute ihren Wein alle selbst getrunken. Wein in der Flasche, das gab’s ja nicht! Erst Elmar Pieroth (Anm.: 1934 in Bad Kreuznach geboren, entwickelte ein Direktvertriebssystem im elterlichen Weinbaubetrieb, das er auf ganz Deutschland ausweitete) hat den Wein hier stark gemacht. Sein Bruder hat dann die „Naheweinstraße“ begründet und alle Bauern haben ihren Wein in Flaschen abgefüllt – und plötzlich hat man den Wein aus unserer Region auch in München getrunken. Heute ist das zwar nur eine kleine Anbaufläche, aber es gibt doch Leute, die den Nahewein schätzen, weil er viele Mineralien vom Stein enthält.

Hat das Material Stein Sie schon immer interessiert? Ich war bei meiner Recherche über Steinbildhauerinnen so beeindruckt, dass es Frauen gab, die es so kurz nach dem Krieg wagten, Kunst und Bildhauerei zu studieren – die männliche Domäne schlechthin …

Also die Vorgeschichte ist, dass ich sieben Brüder habe und auf einem Bauernhof aufgewachsen bin – von meinen Brüdern sind fünf Bauern geworden, einer Priester und einer Arzt – das war eine totale Männerwirtschaft. Wir mussten zum Beispiel jeden Sonntag mit unserem Vater über alle Felder laufen und dabei wurde diskutiert, was mit den Feldern geschehen soll. An einem Sonntag, da geht mein Vater so ein Stück in den Acker rein, nimmt einen Stein raus – es war im Frühjahr und das Korn war niedrig und da guckte der so raus – und legte diesen Stein in die Karrenspur. Die Karren hatten damals diese großen Holzräder mit Metallreifen drumherum, die machten tiefe Rillen in die Erde. Und wie er den so reinlegte, dachte ich: „Wenn da nur ein Karren drübergeht, dann ist der ganze schöne Stein kaputt.“ Aber ich sagte nichts, ich hab geschwiegen. Plötzlich sagte einer von meinen Brüdern: „Vater, warum hast du den Stein aus dem Acker genommen?“ Und da sagte er: „Wo der Stein liegt, wächst kein Korn. Aber hier im Weg gibt er unserem Wagen Halt.“ Und ich dachte: „Also sowas!“ – wir waren relativ reich und hatten einen großen Hof – „Wie kann man so viel Land und Erde haben und es darf nicht ein Stein im Acker liegen!“ Und ich weiß, dass ich da Partei für den Stein ergriffen habe. Sonst nie, nur das eine Mal als ich diese „Barocktafel“ bekam. (Anm.: an anderer Stelle erzählte Frau Kubach-Wilmsen sehr rührend von ihrer Schulschiefertafel, die sie mitten im Krieg im Übermut zerbrochen hat. Ihre Mutter musste daraufhin beim Dachdecker einen Ersatz suchen – eine dicke Dachschieferplatte.)

Was hat denn Ihre Familie dazu gesagt, dass Sie Künstlerin werden wollten?

Meine Eltern starben relativ schnell nach meinem Abitur. Mein Vater hinterließ nach einem Herzversagen den Hof und meine Mutter sagte: „Du kannst jetzt nicht weiter studieren, du musst die Aussteuer für die Söhne vorbereiten, weil ich werde sterben.“ Meine Eltern liebten sich sehr und sagten immer: „Wenn einer von uns stirbt, dann holt er den anderen nach.“ Ich hatte bisher in Münster in Westfalen Kunstgeschichte studiert, damit musste ich aufhören und mit meiner Mutter zusammen die Aussteuer der sieben Söhne machen. Das waren ganze Schränke voll mit Bettlaken und Handtüchern und was es alles so gab. Das musste alles bestickt werden. Und kochen musste ich auch lernen! Mein Gott. Ich war ja neun Jahre im Internat gewesen. Damit ich unter Mädchen kam, haben mich meine Eltern in ein Mädchenpensionat geschickt. Das war die schlimmste Zeit meines Lebens! (Sie lacht.) Da landete ich zwischen lauter kichernden Mädchen. Und wenn sie im Turnunterricht weit springen mussten, dann liefen sie an, blieben aber plötzlich wieder stehen … also sowas! (Sie lacht.) Ich konnte das alles überhaupt nicht verstehen. Aber nach neun Jahren war ich doch auch ein Mädchen geworden.

Und die Brüder waren mit dem Kunststudium einverstanden?

Die fragten immer: „Wann machst du denn endlich dein Examen?“ Ich hatte ihnen gar nicht gesagt, dass ich freie Bildhauerei studiere, ich sollte ja Kunsterzieherin werden. Aber irgendwann sagte ich es doch – ach du Schreck! Und dann kam noch die Hochzeit mit auch so einem Künstler! (Sie lacht.) Es war eine große Hochzeit auf unserem niederrheinischen Hof und die Brüder sagten beim Verabschieden: „Das sagen wir euch: Ein Butterbrot kriegt ihr noch, wenn ihr zu uns kommt, aber mehr könnt ihr nicht erwarten!“ (Sie lacht). Ja, der Niederrhein.

Wie war das später: Sie haben an vielen Bildhauersymposien teilgenommen und haben auch welche veranstaltet, zum Beispiel in Rom. Was bedeutete das für Sie?

Von 1970 bis 1985 waren wir jährlich bei Symposien. Das war sehr wichtig, weil der Kollege – der andere Bildhauer – der hat einen ziemlich sauberen Blick. Der Kunstkritiker, der sieht ein Werk von einer anderen Warte. Er hat natürlich auch seinen Einfluss, aber der Bildhauerkollege merkt sofort, wenn etwas schiefgeht. Und das war in unserer Situation, die wir hier in Bad Münster hatten, wichtig. Der einzige Kritiker, den wir hier hatten, war das Licht. Wenn wir da vorne auf dem Platz vor dem Haus unsere Steine behauen haben, waren wir abends oft selig und dachten: „Oh, jetzt haben wir’s aber bald geschafft.“ Kommen wir morgens hin, steht die Sonne auf der anderen Seite, sagten wir: „Was haben wir da für ein hässliches Entlein geboren!“ Und es fing alles wieder von Neuem an, wenn einfach die Form verzogen war oder was auch immer. Das Licht war das Einzige, was wir hatten, das uns zeigte, ob es richtig war.

Einladung 80. Geburtstag Anna Frontseite

Weiterführende Lektüre:

Anna Kubach-Wilmsen: Steinkokon, Katalog des Steinskulpturenmuseums Bad Münster am Stein-Ebernburg, 2017

Claire Labye: Kubach-Wilmsen unterwegs zum Stein, Verlag Matthias Ess, Bad Kreuznach, 2014

Bernd Pastuschka, Hans Bergs (HG.): Tadao Ando – Steinskulpturenmuseum Fondation Kubach-Wilmsen, Dölling und Galitz Verlag, München-Hamburg, 2013

 

 

Renate Welsh-Rabady zum 80.Geburtstag

Renate Welsh RabadyDIE WELT VERÄNDERN

Renate Welsh-Rabady, bewährte Autorin aus der starken Riege österreichischer Kinder- und Jugendliterat_innen, schreibt ebenso für Erwachsene und feiert im Dezember 2017 ihren 80. Geburtstag. 

Die Autorin im Gespräch mit Beatrice Simonsen

In Ihrem stattlichen literarischen Werk, an dem Sie seit fast fünfzig Jahren und immer noch unermüdlich arbeiten, verschwimmen oft die Grenzen zwischen Jugend- und Erwachsenenroman. Ihre Bücher sind für alle Altersgruppen interessant und spannend zu lesen. Andererseits sind Sie auch mit Kinderbüchern, besonders mit der Figur des „Vamperl“ sehr bekannt geworden. Wie sind Sie denn eigentlich zum Kinderbuchschreiben gekommen?

Das war eine typische 68er-Jahr-Entscheidung: Ich wollte etwas gegen Vorurteile tun, weil ich dachte, dass Vorurteile der größte Bremsklotz sind, der Menschen daran hindert so zu sein, wie sie eigentlich gern sein möchten. Um gegen Vorurteile anzugehen, muss man sie dort erwischen, wo sie noch nicht das ganze Menschengewebe durchwachsen, sondern erst kleine Würzelchen haben – und da muss man bei Kindern anfangen. Da war die Entscheidung, Kinderbücher zu schreiben, naheliegend. Das war eine sehr klare Entscheidung. Es war auch die Zeit, in der ich mit Kindern im Krankenhaus arbeitete und ziemlich viel schlechtes Gewissen hatte, weil ich so deutlich erlebte, wie groß der Vorteil war, den meine eigenen Kinder gegenüber vielen anderen hatten. Die sind zwar mit sehr viel weniger materiellen Gütern aufgewachsen, hatten aber den ungeheuren Vorteil an Sprache, an Möglichkeiten … Da hab ich gedacht: Dagegen muss man was tun.

Sie haben sehr jung geheiratet und Kinder bekommen …

Viel zu jung! Ich hab zwei Söhne aus dieser ersten Ehe und es ist gut, dass es die gibt. Wir können ganz gut miteinander.

Aber Sie haben nicht – wie manche andere – aus dem Impuls begonnen, für Ihre eigenen Kinder zu schreiben?

Nein. Das, was ich für meine Kinder erfand, hab ich nie aufgeschrieben. Das waren private Geschichten, die aus dem entstanden sind, was wir zusammen erlebt haben.

Sie haben aber auch als Übersetzerin gearbeitet …

Ich bin sehr lange sehr vertraut mit der englischen Sprache gewesen. Meine erste Matura machte ich in Amerika, weil ich mit fünfzehn Jahren dorthin kam. Das war damals – 1953 – eine große Sache. Aus dieser Vertrautheit heraus begann ich später zu übersetzen. Als ich dann einsah, dass ich leider keine neue Literaturform erfinden werde – weil das immer schon irgendwelche grauslichen Leute vor dreißig Jahren erfunden hatten, was ich erfand – setzte ich meine Sprachverliebtheit beim Übersetzen ein. Das hat mir viel Spaß gemacht. Ich hab dabei viel gelernt. Ich glaub, dass Übersetzen eine weitgehend unterschätzte und sehr wichtige Tätigkeit ist.

Haben Sie mit dem Übersetzen dann zugunsten des literarischen Schreibens aufgehört?

Als das Schreiben zu meiner größten Überraschung eine Möglichkeit wurde, davon zu leben, hat es das Übersetzen verdrängt.

Was war Ihr erster durchschlagender Erfolg?

Das war der Roman „Johanna“ (Anm.: erschienen 1979). Der ist hier in Hilzmannsdorf (Anm.: dem Landsitz der Autorin in der Buckligen Welt) entstanden. Es war die Geschichte meiner Nachbarin. Eine Geschichte, die in den 1930er Jahren in Österreich spielt und die mich sehr beschäftigt hat. Sie war eine Frau, die ich sehr schätzte, sehr mochte und die überhaupt keine Chance auf der Welt hatte. Nachdem ich alles, was man für das Leben auf dem Land lernen muss, von ihr lernte, und nachdem sie für mich auch so eine Art Mutterersatz war in ihrer Lebensklugheit, in ihrer unsentimentalen Freundlichkeit, erzählte sie mir wie sie in dieses Dorf kam – und das hat mich sehr schockiert.

Sie war damals dreizehn Jahre alt, hatte die acht Jahre Schulpflicht hinter sich. Sie war das uneheliche Kind einer Dienstmagd, die das uneheliche Kind einer Dienstmagd war und so fort … Generationen weit zurück. Aber sie hatte Glück mit ihren Zieheltern, die sagten: „Am besten du gehst dorthin zurück an die Dienststelle, wo deine Mutter gearbeitet hat, weil hier bei uns – das war im südlichen Burgenland – gibt’s keine Lehrstellen. Und Einheiraten kannst du auch nirgends, weil g’heirat wird nur eine, die so viel hat wie man selber. Und so viel wie du nix hast, gibt’s ja ned.“ So kam sie hierher nach Hilzmannsdorf und der Armenrat wollte sie gleich als Dienstmagd nehmen. Aber sie sagte: „Nein, das war nicht ausgemacht. Ausgemacht war, dass ich was lernen darf. Ich will Schneiderin werden.“ Und der Armenrat hat einen klassischen Satz gesagt, das war 1931: „Wo kämen wir da hin, wenn ledige Kinder was wollen dürfen.“ Das war gerade die Zeit, als die Diskussion aufkam, ob unehelich geborene Kinder den ehelich geborenen gleichgesetzt werden sollten.

Mir hat dieser Satz, der einem Menschen eigentlich die Menschenwürde abspricht, die Augen geöffnet. Das war absolut unmöglich, diesen Satz zu akzeptieren, weil er eine Frau betraf, die ich so bewunderte, die mir geholfen hat, mich aus dem Gewurschtel meiner persönlichen Vergangenheit herauszuarbeiten. Und sie dachte immer noch, sie müsste der Welt beweisen, dass sie was wert ist. Und deshalb wollte ich ihr ihre Vergangheit so zurückgeben, dass sie mit Stolz sagen kann: „Das bin ich.“ Da hat sie zuerst natürlich „Nein“ gesagt. Sie hat sich bei mir umgeschaut, hat die Familienportraits bei mir an der Wand gesehen und sagte: „Nein, das kann man nie verstehen, wie das ist, wenn man da her kommt, wo ich herkomm.“

Es ist mir aber doch gelungen, dass sie mir erlaubt, dass ich es schreib. Es war damals eine sehr große Arbeit, die 1930er Jahre in Österreich zu recherchieren – 1965 bis 1978 arbeitete ich daran. Es gab eigentlich kaum etwas zu dem Thema, nur zwei Dissertationen. Ich las einfach alles aus dieser Zeit, was mir in die Hände kam, alle Zeitungen vom Kaninchenzüchterverband- bis zum Gewerkschaftsblatt soweit sie vorhanden waren. Sehr viel ist verbrannt, die Russen waren hier in der Gegend. Und ich redete mit Zeitzeugen – es war eine sehr aufwändige Recherche.

Als ich fertig war, hat der Verleger – Dr. Leiter bei „Jugend und Volk“, den ich sehr mochte – gesagt: „Na Seawas, du hast uns ein Ei gelegt! Wir werden nix als Schwierigkeiten haben. Es gibt kein Fettnäpfchen, in das du nicht hineintrampelst. Jenseits der Weißwurschtgrenze wird es keiner lesen, weil es voll von Austriazismen ist und die kann man auch nicht ausbügeln, weil man kann nicht eine Dirn in Niederösterreich aufs Kartoffelfeld mit der Harke schicken. Das geht halt nicht, weil die Sprache und die Landschaft zusammengehören. Du musst schauen, dass du von den Übersetzungen lebst, weil Lesungen kriegst du sicher keine.“

Zu unser aller Überraschung hat das Buch den Deutschen Jugendliteraturpreis bekommen und es gab ein paar Veranstaltungen zum Sauschlachten – wo ich als Sau eingeladen war (sie lacht). Aber dann sind bei den Lesungen ehrenwerte alte Bibliothekare aufgestanden und sagten: „Der Herr oder die Frau Professor Sowieso werden es sicher besser wissen, aber ich muss sagen: die Geschichte von meiner Tante war genauso. Genauso war’s.“ Und plötzlich hat es nicht mehr geheißen, dass ich sozialistische Parteigeschichte geschrieben hab, sondern es wurde als historisches Dokument anerkannt.

Das war alles noch vor dem „Vamperl“ und es hatte tatsächlich eine große Wirkung für mich – dass ich „Geschichte von unten“ geschrieben hab, das hat etwas ausgelöst.

Das meinte ich zuvor, dass Ihre Bücher in ihrer Mischung aus Dokumentation und lebendiger Geschichte gleich spannend für Jugendliche wie für Erwachsene zu lesen sind. Und wie ging es dann weiter?

Kurz darauf hab ich das „Vamperl“ (Anm.: erschienen 1979) geschrieben – man braucht eben ein Kontrastprogramm. Als ich die Idee mit dem „Vamperl“ hatte, erkannte ich zuerst gar nicht, dass die Idee wirklich trächtig war (Anm.: es folgten bis 2010 mehrere „Vamperl“-Bände). Erst ein Kollege hat mich darauf aufmerksam gemacht.

Aber schon die „Johanna“ hat sich kurz nach dem Erscheinen irrsinnig gut verkauft – als gebundenes Buch gingen 70.000 Stück über den Verkaufstisch, das war für meine Begriffe ein heller Wahnsinn! Vor allem in Norddeutschland ging es gut und in Frankreich auch. Ich weiß gar nicht, in wie viele Sprachen es übersetzt wurde.

… und hat die Nachbarin es gelesen?

Zuerst hat es ihr Mann gelesen, ihre Töchter, ihre Enkeltöchter … und sie sagte zu mir: „Die sagen jetzt zu mir «Oma, du musst deppert gewesen sein, dass du dir das hast gefallen lassen«, aber sie sagen auch «Oma, du bist schon cool gewesen.«“ Sie hat es lange nicht gelesen. Sie sagte zu mir: „Ich hab es leben müssen, jetzt soll ich es auch noch lesen?“ Ich bin ja wie eine tragerte Katz um sie herumgeschlichen, weil ich mich so vor dem gefürchtet hab, was sie dazu sagen wird, und dass ich eine Figur aus dramaturgischen Gründen dazuerfand. Aber irgendwann sagte sie: „Jetzt möchte ich aber eines wissen: Wieso hast du auch das geschrieben, was ich dir nicht erzählt hab?“ Das fand ich sehr schön, diese Erfahrung, dass man beim Schreiben plötzlich mehr weiß als man eigentlich weiß. Das kann man nicht erklären, das hat nichts mit Übersinnlichkeit zu tun, sondern mit einer anderen Art von Konzentration, glaub ich.

Und da war noch etwas, was mir wirklich Spaß gemacht hat: Meine Nachbarin von der anderen Seite fand es total ungerecht, dass ich über die eine ein Büchl gemacht hab und sie muss sich selbst einen Grabstein kaufen (sie lacht). Da hab ich gedacht: Wenn mein Buch so viel wert ist wie ein Grabstein, dann hab ich einen anständigen Beruf. Im Sinn von nützlich.

Die starken, oder vielleicht mütterlichen, Frauen haben Ihnen offenbar angetan … Auch im „Vamperl“ gibt es so eine starke Frau – die Frau Lizzy.

Ich hab ein absolutes Mutterdefizit. Meine Mutter starb mit achtundzwanzig Jahren und dieses Defizit spürt man durch. Meine arme Stiefmutter konnte das nicht abdecken. Alle mütterlichen Frauen, denen ich begegnet bin – unter deren Fuchtel ich gestanden bin! – spielen irgendwie eine Rolle. Die Frau Lizzy ist eigentlich unsere Putzfrau gewesen und die hat mich so unterm Daumen gehabt. Ich hab sie heiß und innig geliebt.

Jetzt noch eine Frage zu Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit als Schreibpädagogin: Was treibt Sie schon seit vielen Jahren dazu an?

In der Hauptsache biete ich Schreibwerkstätten für Obdachlose in der Vinzi Rast an. Da ich aber auch sehr oft in Schulen Lesungen halte, werde ich manchmal dort zu Schreibwerkstätten eingeladen, weil mich die Lehrerinnen kennen und meinen, die Kids würden das brauchen.

Worum geht es Ihnen dabei?

Egal wo ich es mache: Ein ganz zentraler Punkt ist für mich, dass ich glaube, dass drei Viertel aller Agressionen und drei Viertel aller politisch gefährlichen Tendenzen ihre tiefste Wurzel in der Sprachlosigkeit haben. Ich glaube, dass ein Großteil der Sprachlosigkeit gemacht ist und damit zu tun hat, dass den Leuten nicht zugehört wird. Und ich bin der festen Überzeugung, dass man Menschen mit einfachsten Mitteln die Zunge lösen kann. Die Schreibwerkstatt soll in Wirklichkeit zu einem aktiven Zuhören führen. Die Leute merken dann: Man hört mir zu! Und wenn man mir zuhört, heißt das: Ich bin etwas wert! – und in dem Moment, wo ich etwas wert bin, bin ich auch solidaritätsfähig. In dem Moment, wo ich etwas wert bin, bin ich nicht mehr Stimmvieh, muss ich mich nicht mehr mit Ellbogen durchsetzen, sondern kann auch akzeptieren, dass viele unterschiedliche Wahrheiten miteinander eine größere bunte Wahrheit ergeben, als wenn ich nur meine Wahrheit durchzusetzen versuche. Das ist jetzt alles fürchterlich verkürzt. Aber darum geht’s eigentlich. Insofern hab ich noch ein Stück von meiner Naivität, mit der ich angefangen hab, behalten, und glaube, dass man ein bissl was zum Guten verändern kann auf der Welt.

Das Gespräch fand am 1. August 2017 in Hilzmannsdorf statt.

Fotos © Ernst Gembinsky

Lesungen November 2017

PENforum Nachbarn: SLOWAKEI

zur Erinnerung an Klara Köttner-Benigni

Bratislava

Bratislava
das klingt so weich
wie eine slowakische Melodie

Die Taube
die herflog
ist zerrissen
von Grenze

Ihr Brüder hier
mit dem grünen Zweig
meine Brüder

Hart
ist der Prüfstein
zwischen uns

(Klara Köttner-Benigni 31.7.1979)

am Sonntag, den 19. November um 14 Uhr
in der Landesgalerie Burgenland
Franz Schubert-Platz 6
7000 Eisenstadt

Mitwirkende: Mária Bátorová, Didi Drobna, Etela Farkašová, Robert Frittum, Milan Richter, Ingrid Schramm, Beatrice Simonsen und Katharina Tiwald (Organisation: Katharina Tiwald)

PENforum Eisenstadt

 

Poesie mit einem rosaroten Mascherl
Ist es das, was man von uns Autoren erwartet?
von Ingrid Schramm

Gestern ist mir etwas Eigenartiges passiert: Katharina Tiwald, die Präsidentin des Burgenländischen PEN-Clubs hatte mich eingeladen, dem Publikum in der Landesgalerie Eisenstadt die Autorin und Umweltaktivistin Klara Köttner-Benigni vorzustellen. Ich erzählte einem Freund, (ein Mann um die Sechzig, der immer Dienst nach Vorschrift gemacht hatte), ganz begeistert, dass ich Klara Köttner-Benigni in ihrem Lebensumfeld vorstellen wollte, um zu zeigen, was für eine mutige Frau sie war: Ich wollte ihren Kampf gegen den Bau einer Brücke über den Neusiedlersee in allen Facetten zeigen. Denn ihr Gegner war niemand Geringerer als Landeshauptmann Kery, der damals das Burgenland regierte wie ein Sonnenkönig und mit einem Jaguar als Dienstwagen durch die Dörfer brauste, um sich von den örtlichen Blasmusikkapellen feiern zu lassen. Ein mächtiger SPÖ-Sultan, der selbst dem ein oder anderen seiner eigenen Parteifreunde wegen seiner Verschwendungssucht unheimlich war.
Der Mann fragte mich: “Sag mal, wen interessiert denn das noch? Das sind doch uralte Kamellen. Ich dachte, du sprichst über Literatur.”
Meine Gegenfrage: “Was ist denn Literatur für dich: Poesie mit einem rosaroten Mascherl?”
Ja, liebe Leute, wen interessiert das, wenn man über eine Frau spricht, die sich dem Willen eines mächtigen Landeshauptmannes entgegengestemmt hat, um das Naturschutzgebiet Neusiedlersee zu retten?
Wen interessiert es, dass mehr als 10 Jahre später die Antiterrortruppe Cobra in Hainburg einmarschiert ist und die Umweltschützer mit Schlagsstöcken verprügelt hat?
Nur mich, weil ich Hainburger-Au-Veteranin bin? Bin ich die einzige, die das interessiert? Habe ich gestern nur einen Ego-Tripp veranstaltet?
Nein, Literatur ist Kampf. Das hat uns Klara Köttner-Benigni vorgelebt. Ich habe den Mann dann gefragt, ob er der Meinung sei, dass wir auch nicht mehr über die Gräuel der Hitler-Zeit schreiben sollen? Ist ja auch etwas Uraltes, habe ich provokant gesagt. Da wurde er kleinlaut: “Nein, natürlich nicht.”
Also, ich persönlich will mehr als Autorin, mehr als nur Weihnachtslieder singen und die Menschen in eine Heile-Welt-Stimmung versetzen. Ich will aufrütteln: Ich will sagen, wenn wir alles nur hinnehmen, wie es kommt, dann hätten wir heute eine mit einer Brücke überbauten Neusiedlersee und ein Wasserkraftwerk in der Hainburger Au. Gut, es ist sehr unwahrscheinlich, dass wir uns nochmals an Bäume ketten müssen, um die Abholzung zu verhindern. Und die Cobra wird auch nicht mehr auf harmlose Umweltschützer einprügeln. Aber wenn wenn wir uns als Schriftsteller nicht sehr rasch auf die Beine stellen und laut “Nein” schreiben, dann werden wir bald in einem rechtspopulistischen menschenfeindlichen Europa leben müssen. Literatur ist Kampf: Das wollte ich gestern sagen, als ich über Klara Köttner-Benigni sprach.

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Freitag, 24. November 2017, 18:00 Uhr

Literaturtage Salzburg 2017

ARGEkultur gemeinnützige GmbH, Ulrike-Gschwandtner-Straße 5, 5020 Salzburg

Gespräch mit Julia Gsertz und Buchpräsentation „Grenzräume. Eine literarische Spurensuche im Burgenland“ edition lex liszt 12

Beitragsbild: Grenzraum am Neusiedler See im Winter

Nachlese zum 10.LITERATUR RAUM IM BILDHAUERHAUS

Die erste konzeptionelle Zusammenarbeit von Beatrice Simonsen mit Sebastian Prantl (TRANS ART WORKS : International ChoreoLab Austria) für den zehnten LITERATUR RAUM im BILDHAUERHAUS führte zu “Bewegenden Begegnungen” im Rahmen der ORF Langen Nacht der Museen. Das Aufbrechen von Prinzipien klassischer Literaturveranstaltungen, das Beatrice Simonsen mit den Veranstaltungen im Zusammenspiel von “Kunst und Literatur” bereits intendiert hatte, wurde diesmal durch die von Sebastian Prantl gesetzten Impulse hin zu einem inklusiven theatralischen Geschehen noch verstärkt.

Der Abend begann mit einer Stippvisite zur Skulptur von Jiri Seifert am Gipfel des St. Margarethener Kogls. Die aus Prag angereiste Kunsthistorikerin Hana Seifertová – Ehefrau des 1999 verstorbenen Bildhauers – schilderte die Situation der tschechoslowakischen Künstler zur Zeit der Entstehung der Skulptur. Sinn des “Glockenturms” war die Erinnerung an den Protest des Studenten Jan Palach, der sich nach dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts 1968 und nach der Niederschlagung des Prager Frühlings selbst verbrannte. Das Gespräch wurde im Anschluss im Bildhauerhaus zwischen Sebastian Prantl und Frau Seifertová fortgeführt und durch Anna Maria Kupper ergänzt, die 1971 selbst als Bildhauerin in St. Margarethen tätig war. Die eigens aus der Schweiz angereiste Künstlerin sprach von der Bedeutung der Internationalen Symposien, die eine wichtige Begegnungszone für Künstler_innen aus Ost und West darstellte.

Mit einem poetischen Text zur früh verstorbenen polnischen Bildhauerin Alina Szapoczikow schaltete sich die Autorin Frieda Paris zwischen die konkrete Erinnerung an die Bildhauersymposien und Erinnerungsarbeit wie sie der Autor Martin Pollack leistet. Im Gespräch mit Beatrice Simonsen erzählte der profunde Kenner der osteuropäischen Geschichte aus seiner journalistischen Vergangenheit und nahm dann mit seiner Lesung “Polnische Lektionen” Bezug auf seinen eigenen Werdegang als Slawist. Im Weiteren wurde deutlich, wie er sich selbst erst langsam der Bedeutung des Verbalisierens von verdrängter Familiengeschichte oder bedenklichen Ereignissen der Geschichte im Allgemeinen und den Gräueln des Nationalsozialismus im Speziellen annäherte.

Der Musiker und Trompeter Franz Hautzinger und der Tänzer und Choreograph Sebastian Prantl schlossen mit einer bewegenden Performance an diese Lesung an und setzten Impulse für Interaktionen der jungen Autor_innen des Abends Vera Sebert, Benedikt Steiner, Frieda Paris und Patrick Wolf frei. In einem konzeptionellen Vorlauf mit dem ChoreoLab hatten die jüngeren Protagonist_innen bereits Gelegenheit gehabt, sich mit dem komplexen Thema Performance auseinanderzusetzen. Interventionen am und für das Publikum von Frieda Paris und Patrick Wolf zeigten sich als performative Irritationen, die die Prinzipien klassischer Literaturveranstaltungen durchbrachen. Benedikt Steiner kreierte mit seiner von Texten begleiteten Präsentation seiner Buchbinderfertigkeit einen Raum im Raum, eine Insel im bewegten Meer performativer Angebote. Vera Sebert verfolgte die Geschehnisse mit ihrer Webcam und projizierte die verzögerten Bilder an die Wand, erzeugte poetische Visionen.

Das Publikum hatte Gelegenheit frei durch das Haus zu flanieren und über die aus den Hörzimmern klingenden Stimmen noch mehr über die Vergangenheit der Bildhauersymposien zu erfahren:
Hören Sie unter diesem Link! fiktive Monologe von acht in St. Margarethen tätigen Bildhauerinnen von Beatrice Simonsen, eine Soundinstallation von Wally Rettenbacher mit Erinnerungen von Uta Prantl-Peyrer und Oral History Aufzeichnungen der Malerin gemixt mit jenen des Steinbrucharbeiters Josef Puschitz (Tonaufnahme und Gestaltung: Valerie Bosse). Historische Fotografien bebilderten die Zimmer, die den Bildhauern damals als Unterkunft dienten.

Die am langen Tisch im Hauptraum servierte heiße Suppe und große Brotlaibe waren Teil der Konzeption eines inklusiven theatralen Geschehens. Beschlossen wurde der Abend mit einer Lesung von Barbi Markovic, die mit ihrem kräftigen Auftritt noch einmal die Aufmerksamkeit bündelte, indem sie einen Ausschnitt aus ihrem doppelt preisgekrönten Buch “Superheldinnen” zum Besten gab und damit die aktuelle Situation von zeitgenössischen Künstlerinnen auf satirische Art und Weise ins Blickfeld rückte.

Sebastian Prantl (Symposion Europäischer Bildhauer / Tanzatelier Wien / International ChoreoLab Austria) und Beatrice Simonsen (Kunst und Literatur) danken Zuzana Husárová und Ferdinand Schmatz vom Institut für Sprachkunst / Universität für Angewandte Kunst Wien für die gelungene Kooperation.

Mit finanzieller Unterstützung von: Bundeskanzleramt / Sektion Kunst, Energie Burgenland, Gemeinde St.Margarethen, Grazer Autorinnen Autorenversammlung Kulturabteilung des Landes Burgenland und Robert Bosch Stiftung.

Alle Fotos: © Dirk Simonsen
Beitragsbild: Schlussstein von Maria Biljan-Bilger am Bildhauerhaus

8. Oktober : GAV Burgenland in Eisenstadt

SCHRIFT UND BILD – Literarische Betrachtungen des Burgenlandes von und mit

Klaus HABERL, Peter PESSL, Dine PETRIK,
Mechthild PODZEIT-LÜTTJEN,
Beatrice SIMONSEN und Susanne TOTH

8. Oktober 2017, 15 Uhr
Landesgalerie Burgenland
Franz Schubert-Platz 6
7000 Eisenstadt

GAV Lesung Landesgalerie Burgenland

Nach einem ersten Lesungsabend der GAV Burgenland im Frühling folgt nun ein zweiter im Herbst: Wie sehen SchriftstellerInnen das Burgenland, welche Bilder zeichnen sie in ihren Texten? Von farbigen Landschaftsbeschreibungen (des Seewinkels oder des hügeligen Mittelburgenlandes) über satirehafte Skizzen ihrer Bewohner mit wenigen Strichen bis zu lautmalerischen Gedichten und abstrakten Darstellungen von Begriffen wie Heimat reicht die Palette der Werke, die VertreterInnen der größten österreichischen Literaturvereinigung, der Grazer Autorinnen Autorenversammlung, mit Bezug zum Burgenland ausgewählt haben.

Die Gruppe von AutorInnen unterschiedlicher Ausrichtungen, die einen lebendigen Fokus in der zeitgenössischen Literaturszene darstellt, ergänzt mit ihren Lesungen die ausgestellten Objekte kongenial.

Musikalische Umrahmung: Clemens Frühstück
Moderation: Karin Ivancsics, Regionaldelegierte der GAV Burgenland

Foto: Herbstzeitlose © Dirk Simonsen

30. Mai im Literaturhaus Wien: Karl Kraus und die Frauen

Lesungen mit HILDE SCHMÖLZER, BEATRICE SIMONSEN und ANDREA STIFT-LAUBE
im Literaturhaus Wien, Seidengasse 13, 1070 Wien

Dienstag, 30.05.2017, 19.00 Uhr

Hilde Schmölzer spricht über das widersprüchliche Frauenbild von Karl Kraus und liest aus ihrem Buch Frauen um Karl Kraus (Kitab, 2015) über das Liebesverhältnis von Kraus zur Schauspielerin Irma Karczewska, das „Kindweib“, die „große Hetäre“, die 14 war, als er sie „entdeckte“.
Beatrice Simonsen berichtet in einem Essay über die von gegenseitiger Hochachtung getragene, wenn auch nicht immer konfliktfrei verlaufene Freundschaft zwischen Kraus und der großen Dichterin Else Lasker Schüler.
Andrea Stift-Laube liest über die Kriegsberichterstatterin Alice Schalek, auf die sich Kraus als absolutes Feindbild eingeschossen hatte.

Organisation und Gestaltung: Hilde Schmölzer
Veranstaltet von der Grazer Autorinnen Autorenversammlung

Link zum Literaturhaus

Foto: Wolken © Beatrice Simonsen

Meiner Seel’, heut freut mich mein Leben

EIN FEST FÜR LUDWIG ANZENGRUBER
am 13. Mai 2017 um 15 Uhr und um 19 Uhr
im „Anzengruber Stüberl“ in Wolkersdorf, Wienerstraße 15

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im Rahmen des Viertelfestival NÖ – Weinviertel

Achtung! Beide Veranstaltungen sind bereits ausverkauft!

1874 schrieb Ludwig Anzengruber in Wolkersdorf das Schauspiel „Der G’wissenswurm“. Der Dichter wohnte ein Jahr lang mit seiner Familie im „Gasthaus Goldener Strauß“. Seine Mutter erhoffte sich von dem ebenfalls im „Goldenen Strauß residierenden Arzt Dr. Hebentanz eine Linderung ihres Gichtleidens.
Vom Gasthaus ist heute nur noch das „Anzengruberstüberl“ erhalten. Man widmete es dem Dichter 43 Jahre nach dessen Tod. Der Maler Sabransky-Thalbrück schmückte das Gewölbe mit Szenen aus den Stücken „Der Meineidbauer“, „Der Pfarrer von Kirchfeld“ und „Der G’wissenswurm“.

Unter dem Motto „Worte, Torte, Töne“ feiern wir den 143. Jahrestag der Drucklegung des „G’wissenswurms“. Dieses lebensbejahende Volksstück zeigt: Wo Menschen füreinander sorgen, haben egoistische Motive keinen Einfluss.
Schauspielerinnen lesen Szenen aus dem Stück. Wir präsentieren heitere und ernste Texte in Auseinandersetzung mit Anzengrubers Leben und Werken, Musik, Wein, Büffet und eine Torte der besonderen Art.

PROJEKTLEITUNG:

Ulrike Winkler-Hermaden, Clasien Penkler

MITWIRKENDE:

Szenische Lesung: Brigitte Heller, Else Müller

Texte: Ulrike Bergsmann, Britta Mühlbauer, Karin Seidner, Beatrice Simonsen, Ulrike Winkler-Hermaden

Torte: Clasien Penkler

Musik: Ulli Sanou

Wein und Büfett: Biohof Maria und Franz Vogt

KARTEN UND INFO:

Veranstalterin: Ulrike Winkler-Hermaden

Anmeldung: +43-650-45 92 001, winkler.hermaden@gmx.at

Wichtig: Aus Platzgründen ist eine Anmeldung unbedingt erforderlich!

ACHTUNG! BEIDE TERMINE SIND AUSVERKAUFT!

Kostenbeitrag für Büfett und Getränke.

Bild: © Clasien Penkler

 

 

7. Oktober 2017 : 10. Jubiläum

img Milena Lah

 

Der LITERATUR RAUM im BILDHAUERHAUS feiert am 7. Oktober 2017 im Rahmen von ORF Lange Nacht der Museen sein 10. Jubiläum: 

Das Bildhauerhaus in St. Margarethen im Burgenland, 1967-1969 nach Plänen des österreichischen Architekten Joahnn Georg Gsteu erbaut, steht seit einigen Jahren unter Denkmalschutz und wird seit 2011 mit synergetischen Veranstaltungen von Kunst, Architektur, Performance, Theorie und Literatur wieder belebt. Es ist der Erinnerungsort der ehemaligen Bildhauersymposien, die 1959 von Karl Prantl, einem Doyen der abstrakten Bildhauerei, initiiert wurden und bis 1993 unter Mitwirkung internationaler Künstlerinnen und Künstler hier stattfanden.

Heute lebt das Bildhauerhaus von mannigfaltigen Begegnungen und ist Denkfabrik und Aktionsraum zugleich. Erinnerungen an die Avantgarde der Internationalen Bildhauersymposien werden im Strom der Geschichte verankert und mit Narrativen der letzten 50 Jahre vernetzt und neu kontextualisiert. Das Bildhauerhaus als traditioneller Ort der künstlerischen Begegnung lebt – antimuseal, bewegend, berührend.

BEWEGENDE BEGEGNUNGEN
in fließenden Übergängen mit einigen Anhaltspunkten :

18.00 Uhr Führung zu Skulpturen :  Sebastian Prantl & Hana Seifertová und anschließendes Gespräch im Haus

19.30 Uhr Lesung : Martin Pollack „Topografie der Erinnerung“

ab 20.00 Uhr Texte – Performances – Musik : Franz Hautzinger, Zuzana Husárová, Frieda Paris, Sebastian Prantl, Ferdinand Schmatz, Vera Sebert, Beatrice Simonsen, Benedikt Steiner & Patrick Wolf 

21.30 Uhr Lesung : Barbi Markovic „Superheldinnen“

… permanente Hörzimmer :  Valerie Bosse & Wally Rettenbacher & Beatrice Simonsen Oral History aus St. Margarethen, eine Soundinstallation und fiktive und reale Tonspuren von Uta Peyrer-Prantl und Josef PuschitzMaria Biljan-Bilger, Patricia Diska, Anna Kubach-Wilmsen, Anna Maria Kupper, Milena Lah, Ursula Sax, Alina Szapocznikow und Magdalena Wiecek

Programm bis ca 24:00 Uhr Pauschaler Kostenbeitrag für Speisen und Getränke 4 €.

Programmänderungen vorbehalten

Bildhauerhaus St. Margarethen
Am Alten Bahnhof (Zufahrt über Ruster Straße)
7062 St. Margarethen

Eintritt 6 € (Regionalticket ORF-Lange Nacht der Museen).

BUS SHUTTLE Wien-St. Margarethen-Wien bitte bei beatrice.simonsen@gmx.at oder per Telefon unter 0660 486 11 57 bis spätestens 3.10. buchen. Ticket Preis 15 € / 9 € (Studentenermäßigung).
Abfahrt Wien Schwedenplatz um 17 Uhr, Rückfahrt ab St. Margarethen um 24 Uhr.

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Informationen zu den teilnehmenden Künstler_innen:

FranzHautzinger_by_DanielCemborek

 

 

 

 

Franz Hautzinger geboren 1963 im burgenländischen Seewinkel. Ein Konzert von Hannibal Marvin Peterson in der Jazzgalerie Nickelsdorf bedeutete das „Erweckungserlebnis“ des jungen Trompeters. Von 1981 bis 1983 studierte er an der Jazzabteilung der heutigen Kunstuniversität Graz, bis eine Lippenlähmung eine sechsjährige Total-Pause als Trompeter erzwang. 1986 nach Wien übersiedelt, begann er ab 1989 die Trompete auf ureigene, unakademische Weise zu erforschen. Die Zusammenarbeit mit Christoph Cech, Christian Mühlbacher, „Nouvelle Cuisine“, „Striped Roses“, Helge Hinteregger und weiters in London mit Kenny Wheeler, Henry Lowther, John Russell und Steve Noble zeigen Stationen seiner Entwicklung.
Die bewusste Entscheidung, auf elektronische Soundquellen zu verzichten, die Entwicklung digitaler Musik freilich auf der Trompete nachzuvollziehen, führten zur Aufsehen erregenden Solo-Trompeten-CD „Gomberg“ (2000). Das Eintauchen in die Welt der entschleunigten Klangmikroskopie und ab 2003 die lustvolle Wiederentdeckung musikalischer Sinnlichkeit, die Konfrontation seiner Trompetensounds mit Groove und Melodik („Regenorchester XI“ und XII) sind weitere wichtige Entwicklungsschritte.
Er unterrichtet an der Wiener Musikuniversität, ist Mitglied im Berliner Ensemble „Zeitkratzer“, erhielt Kompositionsaufträge u. a. vom Klangforum Wien und ist ein Weltreisender zwischen Wien, Berlin, London, Beirut, Tokio, New York und Chicago. Foto: Daniel Cemborek

Zuzana Husarova

 

 

 

 

Zuzana Husárová (*1983) lebt als Autorin und Theoretikerin in Bratislava, widmet sich der elektronischen Literatur, der Klangpoesie sowie der poetischen und multimedialen Performance. Als Doktorin in Literaturwissenschaft unterrichtet sie am Institut für Sprachkunst der Universität fűr Angewandte Kunst in Wien. Gemeinsam mit Ľubomír Panák entwickelte sie interaktive literarische Werke, mit Amalia Roxana Filip arbeitete sie an den transmedialen Projekten liminal und lucent (visuelle Poesie, Klangpoesie sowie Live-Performances), mit Olga Pek schrieb sie das Origamibuch Amoeba. 2011 erhielt sie das Fulbright Stipendium MIT, 2014 das „Aktion“-Stipendium Forschung.
www.zuz.husarova.net. www.delezu.net

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Barbi Markovic studierte Germanistik in Belgrad und Wien. Sie lebt seit 2006 in Wien, 2011/2012 war sie Stadtschreiberin in Graz, die Ergebnisse ihres Stadtschriftprojekts erschienen 2012 als „Graz, Alexanderplatz“. 2009 machte sie mit dem Thomas Bernhard-Remix-Roman „Ausgehen“ (Izlaženje, 2006) als Popliteratin einer neuen Generation Furore. Für den Roman „Superheldinnen“ erhielt sie 2016 den Alpha Literaturpreis, 2017 den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis der Robert Bosch Stiftung. Markovic veröffentlichte auch zahlreiche Erzählungen in Anthologien und Zeitschriften. Foto: Aleksandra Pawloff

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Frieda Paris 1986 in Ulm geboren, lebt und schreibt seit 2009 in Wien. 2013 Abschluss des BA-Studiums der Theater,- Film und Medienwissenschaft (Universität Wien sowie Université Sorbonne Nouvelle III Paris). Im Jahr 2015 Literaturstipendiatin der Kunststiftung Baden-Württemberg. Seit Herbst 2015 Studium der Sprachkunst (Universität für angewandte Kunst Wien). 2016 START – Stipendium vom Bundeskanzleramt Wien. Zahlreiche Lesungen und Performances im deutschsprachigen Raum. Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften, u.a. in Lyrik für alle (edition mosaik), Lyrik von Jetzt 3 – Babelsprech (Wallsteinverlag), all dies hier, Majestät, ist deins: Lyrik im Anthropozän  (Kookbooks). Foto: Fekrat Namat

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Martin Pollack geboren 1944 in Bad Hall. Studium der Slawistik und osteuropäischen Geschichte. Übersetzer polnischer Literatur, Journalist und Autor, 1987– 1998 Korrespondent des SPIEGEL in Wien und Warschau. Zahlreiche Preise, u. a. den Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln (2007) und den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung (2011). Lebt im Südburgenland und in Wien. Zuletzt erschienen: „Der Tote im Bunker. Bericht über meinen Vater“ (2004), „Wer hat die Stanislaws erschossen? Reportagen“ (2008), „Kaiser von Amerika. Die große Flucht aus Galizien“ (2010), „Kontaminierte Landschaften“ (2014), „Topografie der Erinnerung“ (2016). Foto: Ayse Yavas

 

 

 

 

Sebastian Prantl ist Obmann des Symposion Europäischer Bildhauer (SEB). Der Choreograph und Tänzer ist vielschichtig engagiert. Basierend auf einer langjährigen, internationalen Bühnenerfahrung, exemplarischer Performancepraxis und theoretischem Unterricht an universitären Einrichtungen widmet er sich nun auch seit 2011 der Symposions Idee seines Vaters, des Bildhauers Karl Prantl. www.bildhauerhaus.at
Mittels eines erweiterten Choreographie Begriffes untersucht er grundlegende Bewegungsstrukturen im Lebenszusammenhang und widmet sich der Wissensproduktion von Kulturtechniken. Er kreiert gemeinsam mit seiner Frau, der aus Taiwan stammenden Konzertpianistin Cecilia Li, interdisziplinäre Foren (International ChoreoLab Austria im Bildhauerhaus St. Margarethen und im Tanzatelier Wien), verbindet Tanz & Musik, Sprache & Schrift (Friederike Mayröcker), Architektur & Bauen, Gärtnern & Ernährung…
Das Tanz Atelier Wien (TAW) www.tanzatelierwien.at dient seit 1988 der Projekt-entwicklung und fungiert als Office und ‚CityLab’. Als Außenraum ‚CountryLab’ dazu, steht der Kunst- und Naturraum des Symposion Europäischer Bildhauer (SEB) in St. Margarethen/ Bgld. und dessen Vereinssitz, das exemplarische Bildhauerhaus.

wally rettenbacher. foto. marcus d. niski (2)

 

 

 

 

Wally Rettenbacher lebt und arbeitet in Salzburg und auf Reisen. Sie schreibt Prosa, Gedichte, Essays. Ebenso [Reise]fotografie. Seit 1998 „Freie Radioaktivitäten“: Hörbilder, Fieldrecordings und Features. Aktuell: Konzeption und Produktion der Sendeschiene „seitwärts: [poetologische ortungen]”, ein experimentelles Audioprojekt mit „literarischen Interventionen“ und „poetic acts“ im öffentlichen Raum. web: wallyre.net Foto: Marcus D. Niski

Ferdinand Schmatz

 

 

 

 

Ferdinand Schmatz 1953 in Korneuburg geboren, lebt in Wien und im Burgenland. Er leitet seit 2012 das Institut für Sprachkunst an der Universität für Angewandte Kunst in Wien und ist Nachlassverwalter und Herausgeber des Werks von Reinhard Priessnitz. Werkauswahl (seit 1975): Sinn & Sinne. Wiener Gruppe, Wiener Aktionismus und andere Wegbereiter 1992, SPRACHE MACHT GEWALT. Stich-Wörter zu einem Fragment des Gemeinen 1994, Farbenlehre mit Heimo Zobernig, Künstlerbuch 1995, maler als stifter. Poetische Texte zur Bildenden Kunst 1997, Dichtung für alle. Wiener Ernst-Jandl-Vorlesungen zur Poetik 2013, das gehörte feuer. orphische skizzen 2016. Preise (u.a.): Anton Wildgans-Preis 2002, Georg Trakl-Preis 2004, H. C. Artmann-Preis 2006, Ernst Jandl-Preis 2009. Foto: Dirk Skiba

Vera Sebert

 

 

 

 

Vera Sebert *1987
2007-2015 Studium Freie Kunst an der Hochschule für bildende Kunst Braunschweig und der Akademie der bildenden Künste Wien. Abschluss Meisterschülerin. 2015 Studium Sprachkunst an der Universität für Angewandte Kunst Wien, DAAD Stipendium Erasmus+ für Graduierte. 2017 Aufenthaltsstipendium
im Künstlerdorf Schöppingen. Künstlerische Arbeiten in den Grenzbereichen von visuellen Medien, Sprache, Film, Computerprogramme.
http://verasebert.com

Hana Seifertova

 

 

 

 

Hana Seifertová geboren 1934 in Tabor, Südböhmen. 1953 – 1958 Studium der Kunstgeschichte und Geschichte an Karls Universität in Prag; 1954 – 1958 Volontariat in der Nationagalerie Prag; 1959 Heirat mit dem Bildhauer Jiří Seifert; 1964 Geburt der Tochter Barbora.
1959-1969/70 Leiterin der Regionalgalerie in Liberec. 1961 gründete sie die Sammlung niederländischer Kunst des 16. und 17. Jhs. Regelmäßige Ausstellungen der tschechischen Moderne. Sie realisierte die erste Ausstellung junger Bildhauer 1964 und 1966 die erste ausländische Ausstellung mit Österreichischer Bildhauerkunst.
1968 Einmarsch der russischen Besatzung in Liberec. Sie verliert ihre Anstellung und muss mit ihrer Familie Liberec verlassen. Seit 1971 Kuratorin der Sammlung Alte Kunst in der Prager Nationalgalerie, später wissenschaftliche Mitarbeiterin (zahlreiche Ausstellungen und Publikationen über holländische Malerei des 17. Jh. und böhmischer Barockmalerei). Seit 1998 Mitglied des internationalen Vereins der niederländischen Kuratoren CODART in Den Haag und von HNA Historians of Netherlandish Art.
Sie lebt in Řevnice bei Prag.

Beatrice Simonsen

 

 

 

 

Beatrice Simonsen geboren 1955 in Wien. Studium der Romanistik und Kunstgeschichte. Literaturkritikerin und Herausgeberin der Anthologien “Grenzräume. Eine literarische Landkarte Südtirols” (2005) und „Grenzräume. Eine literarische Spurensuche im Burgenland“ (2015, Theodor Kery Preis für Literatur). Seit 2013 Konzipierung und Organisation von Projekten im Zusammenspiel von „Kunst und Literatur“ (LITERATUR RAUM im BILDHAUERHAUS u.a.). Literarische Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien. Mitglied der Grazer Autorinnen Autorenversammlung. Foto: Dirk Simonsen

Credits_Christoffer_Bindig

 

 

 

 

Benedikt Steiner geboren 1990 in Basel, hat Materialdesign in Luzern studiert und ging danach für Praktika nach Wien. Seither ständige Beschäftigung mit dem Dichterischen in Sprache, Bild und Raum und mit der Spannung zwischen Sinnlichkeit und Sinn. Anfang 2016 Veröffentlichung des selbst hergestellten Gedichtbands Ein Leben an sich. Seit Herbst 2016 Studium der Sprachkunst an der Universität für Angewandte Kunst Wien. Foto: Christoffer Bindig
www.benedikt-steiner.ch

Patrick Wolf geboren 1986 in Tulln an der Donau, Niederösterreich. Ausbildung zum Krankenpfleger. Studium der Sozialen Arbeit. Seit 2014 Studium der Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Veröffentlichungen: Text des Tages am 15.10.2016 auf www.fixpoetry.com: ICH LEGE MIR EINE SCHICHT ZEIT // Esther Dischereit (Hg.): Havel, Hunde, Katzen, Tulpen. Garz erzählt. Mitteldeutscher Verlag 2016

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Die Veranstaltung ist eine Kooperation von Kunst und Literatur mit dem Symposion Europäischer Bildhauer, dem Tanz Atelier Wien / ICLAB und dem Institut für Sprachkunst der Universität für Angewandte Kunst Wien.

Mit Unterstützung durch das Bundeskanzleramt Sektion Kunst, Energie Burgenland, die Gemeinde St. Margarethen, die Grazer Autorinnen Autorenversammlung, die Kulturabteilung des Landes Burgenland und die Robert Bosch Stiftung.

Konzept: Sebastian Prantl und Beatrice Simonsen
Fotos: © Symposion Europäischer Bildhauer (Steinbruch St. Margarethen 1959) und Anna Maria Kupper (Skulpturen von Milena Lah 1971)